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Der sechseckige Raster ist der Geometrie der Korallen vor Ort nachempfunden.
Maledives Floating City

Werden Städte bald schon schwimmen?

Was wie ein extravagantes Architekturprojekt aussieht, ist die pragmatische Antwort auf den steigenden Meeresspiegel.

Was nach ferner Zukunftsmusik klingt, ist schon ab 2024 beziehbar. Eine Stadt, die sich aus den Gewässern des Indischen Ozeans erhebt, also quasi schwimmt. Und zwar zehn Bootsminuten von Male, der Hauptstadt der Malediven, entfernt. 20.000 Menschen sollen dort Platz finden, ist die Stadt erst einmal fertig. 2027 soll es so weit sein, getüftelt wird seit 13 Jahren, sagt Mohamed Nasheed, ehemaliger Präsident der Malediven und Ozeanograf in einem Interview.

Nun wurden die ersten Einheiten vorgestellt. Neben Wohnhäusern wird es Restaurants, Geschäfte, Krankenhäuser und Schulen geben, außerdem einen Yachthafen. Insgesamt 5000 Einheiten sollen entlang eines flexiblen, funktionalen Rasters schwimmen, über eine 200 Hektar große Lagune, so auf der Webseite des Projekts zu lesen. Die sechseckigen Segmente sind zum Teil der charakteristischen Geometrie der Korallen dort nachempfunden. Gezüchtete Korallenriffe rund um die Stadt sollen als Wellenbrecher dienen und die Stadt zu stabilisieren, erklärt Nasheed in einer Mitteilung.

Jedes der Häuser liegt direkt am Meer.
Jedes der Häuser liegt direkt am Meer.Waterstudio/Dutch Docklands Maldives

In den vergangenen Jahren wurden bereits Pläne für andere schwimmende Städte vorgestellt, etwa Oceanix City in Südkorea, und schwimmende Wohneinheiten in der Ostsee. In Umfang und Zeitplan ist die Maledives Floating City jedoch weltweit die erste ihrer Art.

Der Spiegel steigt und steigt

Gedacht ist das Projekt übrigens nicht als ausgefallenes Designexperiment, es ist schlichtweg eine pragmatische Antwort auf den Anstieg des Meeresspiegels. Das Projekt entstand in gemeinsamer Sache eines niederländischen Unternehmens, Dutch Docklands, und der Regierung der Malediven. Ersteres ist spezialisiert auf die Konstruktion schwimmender Residenzen (Stichwort: Hausboot).

Als Archipel aus 1190 Inseln, gehören die Malediven zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. 99,6 Prozent des Landes besteht aus Wasser, etwa achtzig Prozent der Fläche liegen weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel. Prognosen zufolge soll dieser bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu einem Meter steigen, womit die gesamte Nation unter Wasser wäre.

Wenn eine Stadt aber schwimmt, kann sie mit dem Meeresspiegel ansteigen. Vergangenes Jahr kosteten Überschwemmungen die Weltwirtschaft nach Angaben der Rückversicherungsagentur Swiss Re mehr als 82 Milliarden Dollar, etwa 77,5 Millionen, Tendenz steigend. Einer Prognose des World Resources Institute zufolge, sei künftig mit Schäden städtischem Eigentums im Wert von mehr als 700 Milliarden Dollar jährlich zu rechnen, alleinig von Überschwemmungen an Küsten und Flüssen verursacht.

Malibu-Charakter

Die Maldives Floating City, wie das Projekt offiziell heißt, wird ausschließlich Residenzen direkt am Meer beherbergen, mit einer Größe von mindestens hundert Quadratmeter, vierzig Quadratmeter Dachterrasse Minimum inklusive. Zu haben ist so ein Zuhause ab 250.000 Dollar, etwa 237.000 Euro. Mit erschwinglichen Preisen will der Projektentwickler ein möglichst breites Spektrum an potenziellen Käuferinnen und Käufern ansprechen.

An Lebensqualität soll es den Bewohnenden von Maledives Floating City nicht fehlen.
An Lebensqualität soll es den Bewohnenden von Maledives Floating City nicht fehlen.Waterstudio/Dutch Docklands Maldives

Bunte Häuser, große Terrassen und Meerblick sollen für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Fortbewegen wird man sich per Boot, zu Fuß, Rad oder Scooter, Autos haben hier keinen Platz.

(evdin)