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Andrej Kurkow

Kiew nach der Revolution

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Der ukrainische Autor Andrej Kurkow erzählt in seinem historischen Kiew-Krimi »Samson und Nadjeschda« von einem jungen Mann, der sowjetischer Polizist wird.

Seit dem Krieg in der Ukraine ist der ukrainische, in Sankt Petersburg geborene Autor Andrej Kurkow viel mehr Menschen ein Begriff als noch vor wenigen Monaten. Unermüdlich wird er zu seinem Land befragt. Er schreibt auf Russisch – eine Sprache, die er jetzt allerdings durch den Krieg kontaminiert sieht. Seine oft satirischen, humoristischen Bücher sind populär. Besonders empfehlenswert ist allerdings sein gar nicht fröhlicher Roman „Graue Bienen“: Darin schildert er die Beziehung zwischen zwei alten, politisch entgegengesetzten Menschen in einem durch die Kämpfe verlassenen Dorf im Donbass.



Nach diesem traurig-schönen, feinfühligen Buch kann man nur enttäuscht sein, liest man den nun bei Diogenes erschienenen Krimi „Samson und Nadjeschda“. Im Original 2020 erschienen, erzählt er von einem anständigen jungen Mann, der sich im Chaos nach der Russischen Revolution in Kiew seinen Weg sucht. Er wird sowjetischer Polizist und muss einen mysteriösen Fall lösen, dabei hilft ihm die beherzte Nadjeschda. Wer sich für die Topografie von Kiew interessiert und für Details aus dem damaligen Leben, für den kann sich dieses leicht zu lesende Buch vielleicht lohnen. Für einen guten Krimi, Roman oder gar eine Liebesgeschichte ist es viel zu brav gestrickt, es hat etwas Volksbildnerisches, ständig merkt man das Recherchierte; etwa wenn man zum x-ten Mal erfährt, was genau Samson in der sowjetischen Kantine zu essen bekommt. sim

Andrej Kurkow: „Samson und Nadjeschda“, übersetzt von Sabine Grebing, Diogenes, 368 Seiten, 24,70 Euro