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Getreideversorgung

Getreideexporte aus der Ukraine dürften 2023 weiter einbrechen

REUTERS
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AMA-Marktexperte Christian Gessl bezeichnete die Situation mit Blick auf die Lebensmittelversorgung am Freitag als "dramatisch". Beide Konfliktparteien, sowohl die Ukraine als auch Russland, seien wichtige Player am Weltmarkt.

Der Krieg in der Ukraine schränkt die Getreideausfuhren des wichtigen Exportlandes derzeit deutlich ein. Das dürfte auch deren Position am Weltmarkt verändern. Beträgt der geschätzte Anteil der Ukraine am weltweiten Weizen- und Maisexport 2021/22 noch neun bzw. zwölf Prozent, könnte dieser im kommenden Wirtschaftsjahr auf jeweils fünf Prozent schrumpfen, geht es aus einer Analyse der Agrarmarkt Austria (AMA) hervor.

AMA-Marktexperte Christian Gessl bezeichnete die Situation mit Blick auf die Lebensmittelversorgung am Freitag als "dramatisch". So seien beide Konfliktparteien, sowohl die Ukraine als auch Russland, wichtige Player am Weltmarkt. Laut AMA ist die Weltversorgungsbilanz, also die Relation von Produktion und Verbrauch, im Wirtschaftsjahr 2021/2022 noch ausgeglichen. Nach aktueller Prognose könnte sich das aber im kommenden Jahr ändern, zumal der weltweite Bedarf jährlich um ein Prozent steige, so Gessl.

Geschätztes Defizit von 25 Millionen Tonnen

Geschätzt werde das Getreide-Exportdefizit der Ukraine derzeit auf rund 25 Millionen Tonnen. Unterstreichen lässt sich die Bedeutung der Ukraine auch mit Daten des US-Landwirtschaftsministeriums, wonach das Land jeweils bei Mais (Rang 4) und Weizen (Rang 5) unter die größten Exportnationen der Welt fällt. Abhängig von ukrainischen Getreideausfuhren sind insbesondere Länder aus Nordafrika sowie dem Nahen- und Mittleren Osten. Österreich importiert so gut wie gar kein Getreide aus der Ukraine.

Um die Defizitregionen zu versorgen, werde vor allem die Europäische Union ihre Exporte erhöhen, erwartet Gessl. Auch in Russland sei die Ernteprognose positiv. Wie viel russisches Getreide aber auf den Weltmarkt gelange, könne er angesichts der geopolitischen Lage nicht einschätzen. Zudem spiele China eine viel wichtigere Rolle, als dem Land zugesprochen werde. So handle es sich nicht nur um den größten Weizenproduzenten der Welt, sondern auch um jene Nation mit den größten Lagerbeständen, die aber nicht für den Weltmarkt verfügbar seien.

"Die Prognosen momentan gehen noch von einer Möglichkeit aus, die Defizitgebiete zu beliefern, trotz dieser Kriegssituation", sagte Gessl bei der Getreideernte-Pressekonferenz der AMA am Freitag in Wien. Für die Nahrungsmittelproduktion in der Ukraine zeichne sich aber keine Entspannung ab. "Wir sehen auch, was die Ukraine betrifft, dass momentan drei Produktionsjahre sehr, sehr negativ beeinflusst werden." Die restlichen Exportländer seien daher gefordert, mögliche Ausfälle abzufangen.

(APA)