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Salzburger Festspiele

Diese Káta entsorgt sich selbst im Kanal

Allein singt sie gegen die stumme Menge an: Corinne Winters als Káťa Kabanová.(c) MONIKA RITTERSHAUS
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Jubel in der Felsenreitschule für Janáčeks „Káťa Kabanová“ mit Corinne Winters in der Titelpartie. Barrie Koskys Inszenierung stellt ganz auf die Menschen ab.

An einer Stelle lässt der Regisseur zu, dass seine unbedingte Sympathie für die Hauptfigur mit ihm gleichsam durchgeht – aber auch das noch mit Bedacht. Es passiert im dritten Akt, an der Peripetie des Dramas. Was sieht das vom Komponisten Leoš Janáček selbst geschaffene Libretto vor, eine Bearbeitung von Alexander Ostrowskis Schauspiel „Gewitter“ (1859)? Während eines Unwetters erträgt die lebenshungrige, unterdrückte Káťa Kabanová die Spannung nicht mehr und muss heraus mit der Sprache: Aus freien Stücken bekennt sie vor Familie und den Bewohnern des Städtchens Kalinov an der Wolga, dass sie ihren Ehemann Tichon während seiner Abwesenheit mit dem jungen Boris betrogen hat.

Ein kleines, von vornherein als vorübergehend erkanntes Glück inmitten der bigotten, kleinbürgerlichen Tristesse. Während die Honoratioren sich's hinter der wortreich und aggressiv aufrechterhaltenen Moralfassade bequem gemacht haben (da werden Hosen fallen gelassen und Domina-Gerten gezückt), hat Káťa die Lehren von Schuld und Sühne so internalisiert, dass sie ihnen zum Opfer fällt. Im Libretto sinkt sie kurz bewusstlos in die Arme ihres Mannes, reißt sich dann los und läuft ins Gewitter hinaus.