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Buch der Woche

Helena Adlers „Fretten“: Die Röte in eurem Gesicht

Helena Adler
Helena Adler(c) Eva trifft Fotografie
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In Adlers zweitem Roman bezeichnet sich die Erzählerin als „Berichtbestatterin der eigenen Gegenwart“ – und spannt einen Bogen vom „irdischen Paradies“ der Kindheit über die Exzesse in einer Jugendbande bis zur Mutterschaft.

Schon mit ihrem Buch „Die Infantin trägt den Scheitel links“ (2020) hat sich die 1983 im Salzburger Oberndorf geborene Autorin Helena Adler in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Raum verschafft. In 21 Kapiteln, wovon jedes einzelne den Titel eines Werkes der Bildenden Kunst trägt, machte sich die Schreibende hier in rotzfrecher Art über die eigene Familie her.

Der Vater ein spirituell angehauchter Biobauer, die Mutter eine späte christliche Mystikerin. Die beiden älteren Zwillingsschwestern erscheinen in dem Text als ein doppelköpfiges Ungeheuer, das nur einen Lebenszweck kennt: das jüngste Kind quälen. Am Ende fackelt die kleine Schwester den Hof ab. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie groß der autobiografische Gehalt des Buches eigentlich ist.

Die Kritik war begeistert. Man zeigte sich von der wilden Kraft dieses Schreibens angetan. In kaum einer Rezension fehlte der Hinweis auf die spezifisch österreichische Tradition, aus der heraus sich Adlers Stil nährt. Schnell hatte man die passende Punze zur Hand: Anti-Heimatliteratur der dritten Generation. Hans Lebert und Thomas Bernhard die zwei Großväter. Der väterliche Elternteil ein Mischwesen aus Franz Innerhofer und Josef Winkler. Und die Mutter? Gut denkbar als eine späte Emanation von Elfriede Jelinek.

Mit ihrem neuen Buch schreibt Helena Adler jetzt das alte noch einmal. Auch „Fretten“ hat 21 Kapitel, die wieder den Namen von Kunstwerken tragen, von Salvador Dalí bis Maria Lassnig, von Carolee Schneemann bis Jan und Pieter Brueghel, von Andy Warhol bis Gabriele Münter. Zwei der zitierten Werke stammen diesmal von der Autorin selbst. Neben einer „Assemblage“ mit dem Titel „Ein Kanarienvogel unter Karnivoren“ wird „Das Mutterkostüm“ angeführt. Ein „Work in Progress 2014 ff.“, bestehend aus „Öl, Schmalz, Schweiß, Knochen, Federn, Pelz, Blattgold“ sowie „Haut auf Haut“.