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Skispringen: Schlierenzauer muss die Tournee abhaken

Gregor Schlierenzauer ist verletzt
GEPA pictures (Gepa Pictures/ Oliver Lerch)
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Der 20-jährige Stubaitaler zog sich bei einem Trainingssturz in Seefeld einen Seitenband-Einriss im rechten Knie zu. Es ist keine Operation nötig, er muss aber vier Wochen pausieren. Auch der WM-Start wackelt.

Innsbruck. Neuschnee wurde Gregor Schlierenzauer zum Verhängnis. Der 20-jährige Stubaitaler wollte am Montag in Seefeld trainieren und auf der neugebauten Schanze seine Form wiederfinden. Doch schon der erste Sprung beendete all seine Träume jäh. Nach einem 70-Meter-Satz verdrehte es es Schlierenzauer bei der Landung das Knie. Er kam zu Sturz und zog sich einen Einriss des inneren Seitenbandes im rechten Knie zu.

Der Team-Olympiasieger verletzte sich damit neuerlich an dem bereits im März 2009 schwer lädierten rechten Knie. Auch damals war er im Training gestürzt, nur diesmal dürfte dem 20-Jährigen eine Operation erspart bleiben. Arzt Wulf Glötzer von der Privatklinik Hoch-Rum wollte sich vor weiteren Untersuchungen und dem Verlauf der Therapie noch auf keine Prognose über die Länge der Auszeit einlassen. Er sprach vor einer kurzerhand angekündigten Pressekonferenz in Innsbruck von „vier Wochen“. So mancher aber vermutete schnell eine längere Pause. Denn Schlierenzauer blieb dem ÖSV-Termin kurzerhand fern. „Er ist daheim, ich bitte um Verständnis“, erklärte sein Onkel und Manager Markus Prock. „Er ist schwer angeknackst und erledigt.“

Anders als bei Elisabeth Görgl

Eigentlich wollte der Skiverband die Öffentlichkeit erst heute über die Verletzung des Überfliegers informieren. Nachdem aber ein „TT“-Fotograf den Schnappschuss abgeliefert hatte, gab es kein Zurück mehr. Und es herrscht tatsächlich ein gewisser Zeitdruck in Innsbruck. Die Weltcupbewerbe ab Freitag in Engelberg sind für Schlierenzauer kein Thema mehr. Auch die am 29. Dezember in Oberstdorf anhebende Vierschanzentournee ist außer Reichweite. Ob er bei der Weltmeisterschaft in Oslo Ende Februar wird abheben können? Cheftrainer Alexander Pointner: „Vielleicht steht auch die WM auf dem Spiel . . .“

Es war ein bedrückendes Bild, das sich dem Besucher in der ÖSV-Zentrale in Innsbruck geboten haben muss. Die Vortragenden sollen „schwer nervös“ gewesen sein. Einzig Schlierenzauers Arzt wollte die Flinte nicht vorzeitig ins Korn werfen. „Diese Verletzung ist für eine konservative Behandlung prädestiniert. Bei optimalem Heilungsverlauf und Beschwerdefreiheit sind aber durchaus kürzere Trainingsunterbrechungen möglich“, erklärte der Mediziner.

Anlass zur Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr gibt die Skifahrerin Elisabeth Görgl, die mit derselben Verletzung zuletzt lediglich eine Woche aussetzen musste. Allerdings belasten Skifahrer ihre Knie anders als Skispringer. Die Wucht, die bei der Landung freigesetzt wird, ist enorm. Die Skier biegen sich durch und auf den Körper wirken Kräfte wie nach einem Sprung aus dem dritten Stock eines Hauses ein. Mit einem lädierten Seitenband ist Skispringen unmöglich. Auch deshalb begann Schlierenzauer noch am Dienstag mit der Physiotherapiestunde. Pünktlich um 15.30 Uhr traf er sich mit Wulf Glötzer.

Nach Abklingen der Schwellung

Schlierenzauer ärgerte sich über die neuerliche Verletzung. Von Gerüchten oder Befürchtungen hält er nichts, eine andere Wahl habe er in dieser Situation ja auch nicht. „Im ersten Moment war der Ärger riesengroß. Momentan schwanke ich zwischen Frust und Erleichterung, dass es nicht noch schlimmer ist“, teilte der 32-fache Weltcupsieger in einer ÖSV-Aussendung mit. „Ich muss das jetzt abhaken, nach vorne schauen und daran arbeiten, dass ich so schnell wie möglich wieder auf der Schanze stehen kann.“

Ausschlaggebend für die Rückkehr auf die Schanze sei vor allem das Abklingen der Schwellung und das Schmerzempfinden, stellte Glötzer klar, da die Stabilität des Kniegelenkes nicht beeinträchtigt sei. Das benötige aber sicherlich seine Zeit, die Glötzer schließlich, nach mehrfacher Nachfrage, doch mit „vier bis sechs Wochen“ bezifferte. Damit ist der Tourneestart am 29. Dezember ausgeschlossen. Erst wenn „Schlieri“ das Vertrauen in sein Knie wiedergewonnen hat, mache es Sinn, zur Schanze zurückzukehren.