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Wiener Philharmoniker

Entfesselte Tastenvirtuosin, altersweiser Maestro

Ein rares Ereignis im Musikverein: die Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta mit Martha Argerich in Schumanns Klavierkonzert.

So hochkarätig hat schon lang keine Wiener Konzertsaison begonnen. Erst Christian Thielemann und seine Sächsische Staatskapelle Dresden in Konzerthaus und Musikverein, dann das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst im Musikverein, zuletzt ebendort das erste philharmonische Abonnementkonzert der neuen Saison unter Zubin Mehta.

Dieser geballten Dirigentenprominenz nicht genug, brachten Welser-Möst und Mehta jeweils besondere Solisten mit, wie sie an Alter und interpretatorischem Zugang nicht unterschiedlicher sein könnten. So durcheilte der 35-jährige Igor Levit in geradezu sportlicher Manier Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467, trieb mit seinem rasanten Tempo im Finale selbst die ihm vorzüglich assistierenden Musiker aus Ohio an die Grenze ihrer technischen Möglichkeiten. Was seiner Interpretation des mittleren Andante an Gelassenheit, vor allem an meditativer Versenkung noch fehlte, holte er bei der Zugabe nach: der Aria aus Bachs Goldberg-Variationen.


Ganz anders tags darauf die 81-jährige Martha Argerich. Nachdem es einige Zeit gedauert hatte, bis das Klavierstockerl entsprechend fixiert war, was nicht nur die Argerich nervte, stürzte sie sich mit Temperament und Bravour in die komplexen Akkord-Kaskaden von Schumanns a-Moll-Konzert, ließ sich gleich darauf von den poetischen Momenten dieses Stücks völlig verzaubern. Einfach großartig, was sie alles an subtilen Nuancen, mitreißender Brillanz und erfüllter Kantabilität aus der Kadenz im ersten Satz herausholte! Mit welcher Finesse sie im Finalsatz den versteckten Walzermomenten – an denen weniger inspirierte Pianisten meist vorbeispielen – nachspürte!

Eine außerordentliche Interpretation, bedankt mit so frenetischem Jubel, dass selbst die sich seit Jahren Soloauftritte verweigernde große Martha Argerich nicht anders konnte, als sich mit einer Zugabe zu revanchieren. Wie zu erwarten erneut mit Schumann: „Von fremden Ländern und Menschen“, dem ersten Stück aus den von ihr so geliebten „Kinderszenen“. Perfekter, inniger, rhythmisch beredter kann man diese Miniatur nicht spielen.

Bruckners Vierte. Auch für Bruckner-Liebhaber war es eine besondere Woche. Nach Thielemann mit der Fünften und Welser-Möst mit der Neunten dirigierte Zubin Mehta die als „Romantische“ bekannte vierte Symphonie Bruckners, und zwar in ihrer meist aufgeführten Version von 1878/80. Seit unglaublichen 61 Jahren ist Mehta den Wiener Philharmonikern verbunden, hat oft mit ihnen Bruckner aufgeführt. Bei einer solch engen Beziehung bedarf es nur weniger Zeichen und die Musiker wissen, was er von ihnen erwartet: ein unprätentiöses, ruhig auf Höhepunkte zielendes, ganz auf die Charaktere der einzelnen Abschnitte konzentriertes Musizieren. Das strahlte diese von altersweiser Verklärtheit bestimmte Vierte exemplarisch aus.

TIPPS

Wiederholungen. Schumann, Konzert für Klavier und Orchester a-Moll,
op. 54; Bruckner, Symphonie Nr. 4 Es-Dur, „Romantische“; mit den Wiener Philharmonikern unter Zubin Mehta und Martha Argerich: 18. 9. (11 Uhr) und 19. 9. (19.30) im Musikverein, 21. 9. im Konzerthaus.

Im Radio: Heute, Sonntag, 18. 9., wird das Konzert live in Ö1 um 11 Uhr übertragen.