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Morgenglosse

Vierte Impfung: Das Kommunikations-Fiasko

WIEN: EROeFFNUNG IMPFZENTRUM LUGNER CITY
Das Impfzentrum in der Wiener Lugner City.APA/HELMUT FOHRINGER
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Mit seinem Zickzack-Kurs hat das Nationale Impfgremium für viel Verwirrung und Verunsicherung gesorgt.

Endlich eine klare, nachvollziehbare und wissenschaftlich begründete Aussage. Die vierte Corona-Impfung wird grundsätzlich allen ab zwölf Jahren nahegelegt, weil der Nutzen das Risiko übersteigt – explizit empfohlen wird sie aber in erster Linie ab 60-Jährigen, exponierten Personengruppen wie etwa Gesundheitspersonal sowie Vorerkrankten mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe.

Zudem stellt das Nationale Impfgremium klar, dass eine durchgemachte Infektion sehr wohl eine starke Immunreaktion auslöst, weswegen die Betroffenen anschließend sechs Monate warten sollten, bevor sie sich erneut impfen lassen. Denn vorher hätte eine weitere Dosis keinen nennenswerten Zusatzeffekt.

Noch vor drei Wochen klangen die Empfehlungen anders. Unbedingt auffrischen lassen sollten sich schon alle ab zwölf Jahren – und dabei überstandene Infektionen ignorieren. Schon einen Monat nach einer Genesung könne bedenkenlos die nächste Impfung erfolgen, sollte diese dem Impfschema entsprechen, also die dritte Impfung sechs Monate zurückliegen.

Das Kalkül hinter dieser Strategie: Die Ratschläge sollen so einfach und verständlich wie möglich sein. Dass sie auf wissenschaftlich eher schwachen Beinen stehen, wurde zugunsten einer scheinbar klaren Kommunikation in Kauf genommen.

Empfehlungen still und leise geändert

Ein Plan, der nicht aufging. An diesem „österreichischen Weg“ gab es scharfe Kritik von Ärzten außerhalb des Impfgremiums. Er sei nicht evidenzbasiert und widerspreche – medizinisch fundierten – Empfehlungen aus anderen Ländern wie etwa Deutschland.

Nach anfänglichem Verteidigungsmodus sahen das schließlich auch die Mitglieder des Impfgremiums ein und änderten ihre Anwendungsempfehlungen still und leise. Ohne Erklärung, ohne Rechtfertigung, ohne Entschuldigung. Dafür mit viel Spott, Hohn und Häme seitens Kollegen.

Übrig bleibt eine verwirrte und verunsicherte Bevölkerung. Und der Eindruck, dass sich die Gesundheitsexperten des Landes hinsichtlich der Vorgehensweise bei der vierten Impfung nicht einig sind. Also genau das, was das Nationale Impfgremium verhindern wollte.

E-Mails: koeksal.baltaci@diepresse.com