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Innenräume

Zusammenspiel von Baustoff, Heizung und Luft

Ökologische Materialien beeinflussen das Raumklima ebenso wie regelmäßiges Lüften.
Ökologische Materialien beeinflussen das Raumklima ebenso wie regelmäßiges Lüften.Velux
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Welche Faktoren – neben richtigem Lüften – für gutes Raumklima sorgen.

Das Raumklima wird bestimmt durch die Lufttemperatur und die Luftfeuchtigkeit, die bei rund 50 Prozent liegen sollte, denn „daran hat sich der Mensch im Lauf der Evolution gewöhnt“, erklärt Alex Lange, Geschäftsführer der deutschen Argilla Therm, einem Spezialisten für Lehmklima-Systeme. Grundsätzlich spielt natürlich auch die Bauweise – Holz, Ziegel oder Beton – eine wichtige Rolle.

Gut verputzt ist halb gelüftet

Wichtiger ist aber der richtige Putz, der die Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grad reguliert. „Kalk- oder Lehmputze etwa puffern die Feuchtigkeit, nehmen sie also auf und geben sie wieder ab, einen solchen Putz kann man überall anbringen, egal aus welchem Material der Bau ist“, erläutert Heinz Hackl, Lüftungs- und Planungsexperte bei Velux Österreich. Und ergänzt: „Wenn man zudem eine natürliche Dämmung wählt, wie etwa Schafwolle und Lehmbauplatte, muss man sich über ein wohliges Raumklima wenig Sorgen machen. Leider ist eine Dämmung mit Schafwolle extrem teuer.“

Wenn die Wände nicht oder kaum atmen, ist das Lüften umso wichtiger. „Im Prinzip braucht der Mensch, um sich gut zu fühlen, 40 m3 Frischluft pro Stunde“, weiß Hackl. Lüften ist aber nicht nur wichtig für den Wohlfühlfaktor. Kommt zu wenig Sauerstoff in die Räume, sind dem Schimmel Tür und Tor geöffnet. „Die neue Bauweise, die auf besondere Dichtheit der Häuser Wert legt, erfordert ein anderes Lüftungsverhalten, als in den alten Häusern notwendig war“, so Hackl.

CO2-Fühler

In Altbauwohnungen wurden Fenster so konzipiert, dass sie nicht völlig abdichten, dadurch kommt es zu einem Luftaustausch. „In neuen Wohnungen oder bei Einbau neuer Fenster ist das aber natürlich nicht der Fall. Lüften ist also angesagt. Auch, um das CO2, das entsteht, wenn sich Menschen in einem Raum aufhalten, zu minimieren“, konstatiert er. Um den CO2-Gehalt festzustellen, gibt es Fühler, die rot aufleuchten, wenn dieser zu hoch wird. Und natürlich gibt es heute auch schon Fenster, die einen Sensor eingebaut haben und sich automatisch öffnen, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch wird.

Lüftungsanlagen, die permanent Luft von außen ansaugen, mögen zwar praktisch sein, verbrauchen aber sehr viel Energie. „Mittlerweile benötigen solche ,energiesparenden‘ Häuser fast so viel Energie wie die alten 1960er-Jahre-Bauten. Da wurde und wird sehr viel kaputtgeregelt. In letzter Zeit verzichten viele Bauherren, vor allem, wenn es um Öko-Häuser geht, auf diese Art der Lüftung und gehen zurück zum einfachen Fensteröffnen und zu natürlichen Klimareglern wie begrünten Fassenden, Naturbaustoffen und -dämmungen“, erklärt Lange.

Strahlungswärme bevorzugt

Selbstverständlich spielt die Art der Heizung eine Rolle. Einig sind die Experten, dass jede Heizung, die Strahlungswärme generiert, unschlagbar ist. Das sind Heizungen wie Kachelöfen oder Fußboden-, Wand- bzw. Deckenheizungen. „Man muss über die Fläche heizen, je größer die Fläche, desto besser. Ideal wäre eine Heizung, die alle Raumflächen umfasst. Da das aber kaum machbar ist, sind Deckenheizungen am besten und haben die größte Wirkung“, meint Lange. Auch Hackl bricht eine Lanze für alle Heizungen, die auf Strahlungswärme basieren.

AUF EINEN BLICK

Ideales Raumklima besteht bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 50 Prozent und einem adäquaten Sauerstoffgehalt. Wer nicht über ökologische Baustoffe oder technisches Equipment wie eine Lüftungsanlage verfügt, sollte am besten stündlich kurz stoßlüften. Und wer sparen, aber nicht bei 18, 19 Grad oder weniger frieren will, sollte sich nach einer Flächenheizung umschauen – sie ist nicht nur die angenehmste Art, sondern auch die effizienteste.

Wie aber werden sich die wegen der Energiekrise angedachten 18, 19 Grad auf das Raumklima und vor allem auf das Wohlbefinden auswirken? „Wir werden mehr lüften müssen“, sagt Hackl. „Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit halten kann als warme, müssen wir die Feuchtigkeit schneller loswerden, was wiederum dazu führt, dass es noch kälter in den Wohnungen wird.“ Er befürchtet, dass dieser Schuss nach hinten losgehen könnte, „vor allem, da es meiner Meinung nach wesentlich bessere Möglichkeiten gäbe zu sparen, als den Menschen zuzumuten, in einer kalten Wohnung zu leben“, ist Hackl nicht sonderlich überzeugt von diesem Plan. Lange sieht bei diesem Thema einen großen Unterschied in der Art der Heizung. „Strahlungswärme empfindet der Mensch a priori als wärmer als eine Heizung, die nur die Luft erwärmt, da der Körper nur das wahrnimmt, was ihn sozusagen direkt ,erwischt‘.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2022)