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Steirischer Herbst

Wie viel Ironie braucht es, um Putin zu malen?

Man hört Pfeifen wie von Granaten, doch man sieht nur Quallen zerplatzen: Mykola Ridnyi, „Seacoast“, 2008 an der Schwarzmeerküste gefilmt.Ridnyi
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„Ein Krieg aus der Ferne“ ist heuer das Thema beim Steirischen Herbst. So zeigt die große Ausstellung in der Grazer Neuen Galerie kaum Militärisches, ergründet vielmehr Politik der Gesichter und die Frage: Wie ästhetisch ist Ideologie?

„Im Vorholz ruckt die wilde Taube“: So beginnt „Steirischer Herbst 1916“, ein Gedicht des Dichters Hans Kloepfer. Es beschreibt eine abendliche Landschaft, Vogelzwitschern, das von fernem, dumpfem Grollen gestört wird: Artilleriefeuer von der Schlacht am Isonzo hallt über die Berge.

Gut möglich, dass Volkskundler und ÖVP-Politiker Hanns Koren, Initiator des Steirischen Herbsts, an dieses Gedicht dachte, als er dem Festival den Namen gab. Nein, das war nicht im Krieg, sondern 1968. Aber was wäre, wenn es 1916 gegründet worden wäre? Oder, ärger noch, 1939? Damals malte Fritz Silberbauer, 1923 Mitgründer der modernistischen Sezession Graz, das Bild „Der Steirische Herbst“, dessen ländlich-himmlischer Idylle man anzusehen meint, dass Silberbauer schon 1938 der NSDAP beigetreten war. Seit 1933 Mitglied war der Bildhauer Hans Mauracher, ebenfalls Mitgründer der Secession. 1939 schuf er eine Skulptur aus vergoldetem Holz: Zwei Männer halten eine Standarte mit einem Hakenkreuz vor der Brust des Adlers. Nach 1945 wurde das Hakenkreuz durch eine Leier ersetzt, seither heißt das Werk „An die Kunst“.