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Interview

Florian Boesch über sein Debüt an der Staatsoper: "Echt ist schön"

Wenn ich die ,Kindertotenlieder‘ in mich hereinlasse, habe ich als Vater von zwei Kindern ein veritables Problem. Dann zerreißt es mich.“ Florian Boesch singt bei seinem Staatsoperndebüt die „Kindertotenlieder“ und „Das klagende Lied“ von Gustav Mahler.(c) Peter M. Mayr
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Am Donnerstag singt Florian Boesch erstmals an der Wiener Staatsoper: in „Von der Liebe Tod“, der Inszenierung zweier Werke Gustav Mahlers, „Das klagende Lied“ und „Kindertotenlieder". Der Bassbariton über sein spätes Debüt und seinen Begriff von Schönheit.

Mahlers „Kindertotenlieder“ wollten Sie bisher nie singen. Warum nicht – und warum jetzt in „Von der Liebe Tod“ doch?

Ich singe immer aus Identifikation. Ich kann das nur so und nicht anders. Es gibt Sänger, die distanzieren sich von dem, was sie singen. Ganz großartige Kollegen sehen das, von dem sie singen, wie Probleme eines Freundes. Das entspricht weder meinem Temperament noch meiner Auffassung. Für mich heißt singen, von dem zu erzählen, was die Musik und der Text in mir drinnen an Resonanz erzeugen. Und wenn ich die „Kindertotenlieder“ in mich hineinlasse, habe ich als Vater von zwei Kindern ein veritables Problem. Dann zerreißt es mich. Hier geht es mir wie beim „Erlkönig“, den ich früher oft programmiert habe und jetzt nicht mehr singe. Schließlich handelt er davon, dass wir etwas, das wir lieben, nicht beschützen können. Das tut unfassbar weh. Natürlich sind wir oft mit unseren Ängsten konfrontiert, aber gerade hier sehe ich mich nicht in der Lage, das „schön“ zu singen, wie man das landläufig nennt.