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Medizinische Berufe

Wie sag ich's dem Patienten?

Die richtige Kommunikation mit Patienten wird auch im Rollenspiel geübt.
Die richtige Kommunikation mit Patienten wird auch im Rollenspiel geübt.Getty Images/iStockphoto
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Eine gelungene Kommunikation ist die Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt, Pflegepersonal und Patient. Wie diese geführt werden kann, ist heute Teil des Medizinstudiums und der Pflegeausbildung.

Spitalsärzte, die sich vor der Untersuchung oder bei der Visite nicht vorstellen, fehlender Augenkontakt und die Verwendung von Fachbegriffen statt einer für Patienten verständlichen Ausdrucksweise – so mancher Patient kann davon ein Lied singen. „Mit den Patienten reden zu können ist die ureigenste Aufgabe von Ärzten und sollte Teil des ärztlichen Verständnisses sein“, sagt Lilly Damm vom Zentrum für Public Health der Med-Uni Wien. Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Diagnose und Therapie-Entscheidung werden umso besser, je besser die Gesprächsbasis zwischen Arzt und Patient ist. Denn nur dann öffnen sich Patienten und können auch über Schwierigkeiten oder Therapieverweigerung reden“, ist die Ärztin und Expertin für medizinische Kommunikation überzeugt. Wenn bei einem professionellen Arzt-Patienten-Verhältnis möglichst viele Informationen in beide Richtungen fließen, sei dies nicht nur für den Patienten, sondern auch gesundheitsökonomisch von Bedeutung, ergänzt Andjela Bäwert vom Teaching Center der Med-Uni Wien. Angesichts dessen ist ärztliche Gesprächsführung mittlerweile fixer Bestandteil der Curricula an den heimischen medizinischen Universitäten. „Bei uns wird ärztliche Gesprächsführung in drei Stufen vom zweiten bis zum vierten Studienjahr gelehrt“, sagt Bäwert. Auch die Med-Unis in Graz und Innsbruck setzen auf eine stufenweise verpflichtende Kommunikationsausbildung im Lauf des Studiums. „Das erste Modul setzt bei den Basics wie Anamnese und Beziehungsaufbau an. Dann geht es über Aufklärungs-, Diagnose- und Beratungsgespräche bis zum Überbringen schlechter Nachrichten“, erklärt Stefan Höfer, Modulkoordinator für ärztliche Gesprächsführung an der Med-Uni Innsbruck. Die Med-Uni Wien wiederum widmet die dritte Etappe speziell ärztlichen Gesprächen in Zusammenhang mit psychiatrischen Fällen, so Bäwert.

Üben mit Schauspielern

In Kleingruppen von maximal zwölf Studierenden, in der Regel unter Einbindung von sogenannten Simulationspersonen, werden die unterschiedlichsten Gesprächssituationen geprobt und in anschließenden Feedbackrunden analysiert. „Bei den Simulationspersonen handelt es sich um professionelle Schauspieler, die speziell für diese Aufgabe vorbereitet werden“, sagt Bäwert. Auch Rollenspiele stehen auf dem Programm, heißt es aus der Med-Uni Graz. Die Veranstaltungen zur ärztlichen Gesprächsführung sind im Übrigen keine Wahl-, sondern Pflichtveranstaltungen und somit prüfungsrelevant. Höfer: „Vor der Famulatur werden auch diese Fähigkeiten im Rahmen einer praktischen Prüfung mit Simulationspersonen geprüft.“

Ärztliche Gesprächsführung im geschützten Rahmen üben zu können ist den Experten zufolge essenziell und gibt Sicherheit für die Praxis. Um diese zu vertiefen, werden beispielsweise an der Med-Uni Graz neben den curricular verankerten Lehrveranstaltungen auch zahlreiche Wahllehrveranstaltungen zu kommunikativen Kompetenzen angeboten, unter anderem im Bereich Kommunikation im Vorschulalter.
Während des klinisch-praktischen Jahres allerdings obliege es den verantwortlichen Ärzten in der Ausbildung, dieses Wissen bei den angehenden Kollegen zu vertiefen. „Aber wir bieten an der Universität freiwillige Reflexions- und Supervisionsmöglichkeiten als Wahlfach an, die gern genutzt werden“, berichtet Höfer.

Teil des Berufspraktikums

Auch in der Ausbildung von Pflegekräften steht Kommunikationsschulung auf dem Programm: „Wir fördern Kommunikation vom ersten Tag an“, sagt Nadine Graf, Studiengangsleiterin Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Burgenland. Die Patientenkommunikation etwa sei Teil der praktischen Lehrveranstaltungen. „Hier versuchen wir, die Kommunikation mit den Patienten anhand von Rollenspielen und Simulationen zu üben. Der Student darf also nicht einfach auf die Übungspuppe zugehen und eine Magensonde setzen. Er muss kommunizieren, erklären und/oder anleiten“, beschreibt Graf. Darüber hinaus würden die Studierenden in den zehn Berufspraktika im Rahmen des Studiums von den Praxisanleitern diesbezüglich geschult. „Sie erleben und lernen, wie Kommunikation in den verschiedenen Settings praktiziert wird. Die sozial-kommunikativen Kompetenzen werden im Praktikum auch beurteilt und sind Teil der Note“, so Graf.