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Organisation

Kein Frauenproblem: Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

Julia Culen
CCG
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Ohne Frauen, sagt Unternehmensberaterin Julia Culen, würde nichts mehr funktionieren.

Programmieren war lange Zeit Frauenarbeit: als leichte und niedrige Arbeit eingestuft und weniger wichtig als die Hardwareentwicklung. Als es in der Nachkriegszeit wieder mehr Bedarf an Jobs für Männer gab, wurden Frauen aus der Programmierarbeit verdrängt. Plötzlich war Programmieren eine sehr schwierige und hoch bezahlte Arbeit. Heute wird es als „technischer Beruf“ angesehen und gilt somit als für Frauen unattraktiv. „Alles nur Propaganda“, sagt Unternehmensberaterin Julia Culen, geschäftsführende Gesellschafterin der Conscious Consulting Group. Man könne sich fragen: Warum sind Care- oder pädagogische Berufe schlechter bezahlt als Ingenieursjobs? „Ich habe eine Vermutung, dass es eher anders ist: Berufe sind deswegen schlechter bezahlt, weil sie überwiegend von Frauen ausgeübt werden, ihr Wert geringer eingestuft wird.“

Es wäre wichtig zu sehen, sagt Culen, „dass die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen – diese himmelschreiende Ungerechtigkeit des Gender Pay Gaps, dass Frauen die Hauptlast bei Haushalt und Kindern tragen und sie nach einem arbeitsintensiven Leben von Altersarmut bedroht sind – kein ,Frauenproblem‘ ist. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft.“ Angesichts der Rahmenbedingungen – wenig Unterstützung, fehlende Kinderbetreuung, Karriereeinbußen – würden viele Frauen überlegen, ob sie Kinder bekommen, was zur Überalterung führt. Zudem fehlen Unternehmen zunehmend Fachkräfte, weil sie während Corona qualifizierte Frauen an die Haushalte verloren haben. Und, sagt Culen, „die fehlende Diversity an den Unternehmensspitzen führt zum Verlust von Resilienz, Kreativität und Zukunftsfähigkeit. Monokulturen sind krisenanfälliger als Mischkulturen.“