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Blockbuster

"Wakanda Forever": Viele Frauen im Fell des "Black Panther"

Angela Bassett als Königin Ramonda in "Black Panther 2: Wakanda Forever".
Angela Bassett als Königin Ramonda in "Black Panther 2: Wakanda Forever".(c) Disney
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Die Fortsetzung des Marvel-Sensationserfolgs „Black Panther“ trauert um Star Chadwick Boseman – und weitet den Blick auf seine möglichen Nachfolgerinnen.

Der wuchernde Entertainment-Komplex des „Marvel Cinematic Universe“, mit seinen Superhelden und -schurken, Parallelwelten und Plotsträngen, wirkte lang wie eine Blase, die immer größer wird – und dabei alles, was bislang im Kino sein Zuhause hatte, verdrängt. Doch das war vielleicht eine Fehleinschätzung. Wie sich immer deutlicher zeigt, ist das Prinzip dieses (längst auch jenseits der Multiplexe wildernden) Unterhaltungsimperiums weniger das der Expansion, als vielmehr eines der Integration – oder, wohlwollender, der Inklusion.

Seine Form ähnelt eher einer Amöbe, die sich ihre Umgebung einverleibt: Genres, Stile, Diskurse, Perspektiven. Rein ökonomisch ist das Ziel die Freilegung brachliegender Zuschauerschichten – von denen es im Zeitalter des durchdiversifizierten, global einsatzfähigen Megablockbusters etliche gibt. Politisch geht es hingegen um die Einung unterschiedlichster Menschen, Ethnien und Gesinnungen unter dem Banner einer (weitgehend) westlichen Wertegemeinschaft unter US-amerikanischer Ägide.

Das ist nicht verschwörerisch, sondern evident, sinnfällig – und im Kern banal. Interessanter ist die Umsetzung, die sich in jüngeren, größeren Marvel-Superheldenfilmen studieren lässt; etwa in „Wakanda Forever“, der heute im Kino startenden Fortsetzung des internationalen Sensationserfolgs „Black Panther“. Dieser bildete 2018, unter der Regie des talentierten Jungspunds Ryan Coogler, die Speerspitze einer strategischen Neuausrichtung des lahmenden Marvel-Superheldengewirks: Eine Abwendung von reiner (weißer) Comic-Nerd-Bespaßung hin zu einem größer angelegten Popkultur-Projekt, das bestimmte Formen der Kritik daran (etwa jene an mangelnder schwarzer Repräsentation) direkt anging, statt sie halbherzig mit Feigenblättern zu verdecken.

Ein neuer Panther? Besser viele Frauen!

Ein voller Erfolg – an den Kassen, beim Publikum und bei weiten Teilen der Kritik. Doch die Welt dreht sich weiter, das Wiederholungskonzept alter Filmreihen greift nicht mehr. Weshalb „Wakanda Forever“ wieder anders geworden ist als sein Vorgänger.

Hat es überhaupt Sinn, näher auf den überbordenden Plot dieses knapp dreistündigen Action-Epos einzugehen? Heutzutage hört niemand gern Spoiler – und die Handlung ist so vielgliedrig, dass es schwer wäre, sich nicht zu verzetteln. Wesentlich ist nur, dass der Fokus sich vom Titelhelden – dem Thronfolger des fiktiven afrikanischen Staates Wakanda, der dank Zukunftstechnologie ungeahnte Autonomie genießt – auf eine Gruppe von Frauen verlagert: Die wissenschaftlich interessierte Prinzessin Shuri (Letitia Wright), die Kriegerin Nakia (Lupita Nyong'o), die Generalin Okoye (Danai Gurira) und die Studentin Riri (Dominique Thorne). Als Ehrenschutz hat zudem Schauspielveteranin Angela Bassett einige wuchtige Auftritte, als Königsmutter des verstorbenen schwarzen Panthers aus dem ersten Teil.

Der frühe Tod seines Darstellers Chadwick Boseman schlug 2020 große Wellen, nicht nur in den USA. Teil zwei setzt eingangs eine metatextuelle Trauernote – feierlich wird der Sarg des toten Heroen gen Himmel gebeamt. Coogler, der auch diesmal Regie führte, macht aus der Tragödie eine Tugend: Statt die entstandene Lücke notdürftig mit einem Ersatz-Panther zu stopfen, weitet er den Blick auf die vielen möglichen (weiblichen) Erben seiner anti-isolationistischen Regentschaft. Und erzählt, wie diese mit Verlust und Verantwortung umgehen.

Es gibt auch einen Bösewicht, den Aqua-Maya Namor (mit vielen hübschen Ketten um den Schmachtkörper, gespielt vom Mexikaner Tenoch Huerta). Der Film bringt Verständnis auf für seinen kolonialgeschichtlich bedingten Groll, nur nicht für seine Vergeltungsmethoden. Der weithin ironiebefreite Weg, den Chloé Zhao in ihrem verschrienen Marvel-Film „Eternals“ wies, wird hier ausgetreten: Feinde als solche gibt es nicht mehr, der Feind ist der Konflikt selbst.

Dazu setzt es Sci-Fi-Action und Melodramatik zwischen „Star Wars“, Shakespeare und Seifenoper, die vielen Unterwasserszenen nehmen den nahenden „Avatar“-Nachfolger vorweg. Ludwig Göranssons orchestraler Soundtrack mischt sich wie selbstverständlich mit Pop-Songs und Hip-Hop. Ziemlich atemberaubend: Ruth E. Carters expressives Kostümdesign. Das, was Martin Scorsese und manch einen älteren Filmkritiker an Marvel-Filmen stört – die luftleere Künstlichkeit der großteils digitalen Effekte, die Theatralik des Schauspiels, die unförmige dramaturgische Architektur – ist hier freilich genauso präsent. Und dem vorwiegend jungen Zielpublikum herzlich egal. Willkommen in der Zukunft! Wakanda Forever – im Guten wie im Schlechten.


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