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Luxus-Deal

Estée Lauder erwirbt Modemarke Tom Ford für 2,3 Milliarden Dollar

Tom Ford gilt mit als einflussreichste zeitgenössische Modefigur.
Tom Ford gilt mit als einflussreichste zeitgenössische Modefigur.(c) Getty Images for NYFW: The Shows (Dimitrios Kambouris)
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Die Übernahme bringt erstmals Mode ins Markenportfolio des Beauty-Konzerns. Man erhofft sich dadurch Wachstum. Tom Ford wird noch bis Ende 2023 Kreativdirektor bleiben, mit offenem Ende.

Tom Ford ist jetzt Milliardär. Am Dienstag gab Estée Lauder den Kauf seiner gleichnamigen Modemarke für insgesamt 2,8 Milliarden Dollar bekannt. Es ist das größte derartige Geschäft dieses Jahres innerhalb der Luxusbranche und der erste Vorstoß des Schönheitsgiganten, zu dem etwa La Mer, Bobbi Brown und Clinique gehören, in die Modewelt. Und das zu einer Zeit, in der High-End-Marken nach neuen Wachstumswegen suchen, die Pandemie hat schließlich Spuren hinterlassen, und das Geschäft in China gilt nicht mehr wie einst als Motor für Luxuskosmetikmarken. (Auch Estée Lauder war gezwungen, die Finanzprognose für das nächste Jahr zu senken).

Ausschlaggebend für die Übernahme war die starke Beauty-Linie der Marke Tom Ford, die Düfte, Kosmetika und Hautpflegeprodukte umfasst, die „New York Times“ schreibt gar von der „anhaltenden Macht des Parfums“. Tatsächlich landen die Parfums, etwa „Black Orchid“ und „Tuscan Leather“regelmäßig auf Bestsellerlisten.

Zum Vertrieb der Parfums und Make-up-Produkte der Marke hatte Estée Lauder bereits 2006 eine Lizenzvereinbarung mit Tom Ford getroffen. Die gänzliche Übernahme soll im ersten Halbjahr des kommenden Jahres abschlossen werden. Vorerst wird der 61-jährige Ford Kreativdirektor der Marke bleiben, bis voraussichtlich Ende 2023, seine Rolle danach ist noch nicht definiert.

Geld und Wachstum

In einer Aussendung von Estée Lauder zeigt sich der Designer erfreut: „Sie (Estée Lauder, Anm.) waren vom ersten Tag an, als ich das Unternehmen gründete, ein außergewöhnlicher Partner, und ich bin begeistert, dass sie in diesem nächsten Kapitel der Marke Tom Ford als luxuriöse Verwalter fungieren werden.“ Er freue sich, dass die 16 Jahre lang aufgebaute „großartige Beziehung“ erhalten bleibe und vertraue auf das Engagement seiner Partner.

2,3 Milliarden Dollar wird der Kosmetikkonzern zahlen: Eine Kombination aus Barmitteln, Schulden und 300 Millionen Dollar an aufgeschobenen Zahlungen ergeben den Kaufpreis von 2,8 Milliarden Dollar, von denen man in diversen Branchenblättern liest. Man hofft, dass die Übernahme das Wachstum des Konzerns im Bereich Luxusschönheit langfristig fördern werde, heißt vonseiten Fabrizio Fredas, Chief Executive Officer von Estée Lauder.

Auch andere Kosmetikunternehmen hatten bereits einen Vorstoß in die Modebranche gewagt, Clarins hatte etwa Mugler übernommen, mittlerweile befindet sich die Modemarke im Besitz von L'Oréal. Es geht dabei meist um das Vermarkten der Düfte, die jedoch unweigerlich mit den Herausforderungen der Bekleidungsindustrie verknüpft sind. Estée Lauder will  die Mode von Tom Ford allerdings an eine dritte Partei lizenzieren: Ermenegildo Zegna, die italienische Gruppe, die schon seit 2006 eine Lizenz für die Produktion und den Vertrieb von Tom Ford-Herrenmode besitzt. 

Beauty statt Mode

Sein Unternehmen hatte Ford im Jahr 2005 gegründet. Zehn Jahre zuvor wurde er schon zum Modestar, als er als unbekannter Designer an der Spitze des damals angeschlagenen Hauses Gucci neu erfand, indem er der Tradition eine ordentliche Portion Ironie und etwas Sex verpasste. Seine Mode mag heute nicht mehr den gleichen Einfluss haben wie damals, doch hat Ford bis heute ein gutes Gespür für exaltierte Momente. Bleibt fraglich, wie sich das Label künftig ohne den Designer schlagen wird.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ hatten sich übrigens auch andere Modekonzerne um eine Übernahme der Marke Tom Ford bemüht, unter ihnen das französische Unternehmen Kering, das bereits die Marken Gucci, Saint Laurent oder Balenciaga besitzt. Ob die Entscheidung, die eigene Marke einem Schönheitsgiganten und keinem großen Modekonzern zu überlassen, eine Trendwende einläutet, bleibt abzuwarten.

(ag./evdin)