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Test

Der Arzt am Handgelenk

Gesunder Arbeitsplatz: Blutdruckmessen zwischen zwei Telefonaten und vor der nächsten Konferenz
Gesunder Arbeitsplatz: Blutdruckmessen zwischen zwei Telefonaten und vor der nächsten Konferenz
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Smart wollen viele Uhren sein, die Samsung Galaxy Watch 5 Pro hat aber mehr oder weniger einen Doktortitel: Sie kann unter anderem den Blutdruck messen und ein EKG erstellen.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Uhren, von denen die Hersteller behaupten, sie seien smart. In Wirklichkeit können sie gerade einmal die Anzahl der Schritte aufzeichnen, den Puls mehr schätzen als messen - und immerhin die Uhrzeit anzeigen.

Da ist es erfreulich, wenn man eine Smartwatch testen kann, die wirklich ziemlich intelligent ist. In unserem Fall hat sie sogar mehr oder weniger einen Doktortitel: Denn die Samsung Galaxy Watch 5 Pro kann mit ihren Biosensoren viel, was sonst nur ein Arzt kann (auch wenn in den Unterlagen zur Uhr, wahrscheinlich aus US-amerikanischen Haftungsgründen, ausdrücklich davor gewarnt wird, die Daten der Uhr als medizinische Richtwerte zu nehmen).

Das beginnt beispielsweise beim Blutdruck. Wie es eine Uhr schafft, nach einer Kalibrierung mit einem klassischen Messgerät ohne Manschette am Oberarm den Blutdruck zu messen - noch dazu recht präzise -, beeindruckt uns auch nach der x-ten Messung. In unserem sogar bei einem Arzt vollzogenen Test lagen die Abweichungen beim festgestellten Blutdruck bei unter fünf Prozent.

Wir würden bei Bluthochdruck nicht unbedingt die Medikation dem Uhrenergebnis entsprechend anpassen, die Galaxy Watch gibt aber gute Anhaltspunkte und zeigt eine Tendenz. Und es ist ein interessanter Zeitvertreib, wenn man beispielsweise im Auto sitzend mit einem simplen Knopfdruck feststellen kann, wie sehr einen der Wiener Morgenverkehr gerade aufregt.

Das EKG kann man als PDF exportieren
Das EKG kann man als PDF exportieren

Oder einem vielleicht sogar Herzprobleme verursacht. Das ist zusätzlich zur Sauerstoffsättigung des Blutes das nächste bemerkenswerte Feature der Samsung-Uhr: Legt man den Finger auf die Home-Taste, wird ein EKG aufgezeichnet, das ein Vorhofflimmern erkennen kann (keinen Herzinfarkt, wie die Uhr bei jeder Messung klarstellt). Den EKG-Bericht kann man als PDF exportieren und seinem Arzt schicken.

Sofern man - und das gilt für EKG und Blutdruck - ein Samsung-Handy besitzt. Denn die beiden Funktionen arbeiten nur mit der App “Samsung Health Monitor” - und die ist nicht mit anderen Handyherstellern kompatibel.

Immerhin das dritte Gesundheitsfeature ist nicht an den Hersteller gebunden, die Körperzusammensetzung.  Legt man zwei Finger auf die beiden Tasten an der Uhr, ermittelt die Watch 5 Pro den Prozentsatz von Skelettmuskeln, Körperfett, Fettmasse und Körperwasser und errechnet den BMI. Die Simplizität hilft festzustellen, wie sich regelmäßiger Sport auf den Körper auswirkt.

Und noch ein Gesundheitsfeature bietet die Uhr von Samsung: eine Schlafanalyse. Die Galaxy Watch misst Länge und Tiefe der einzelnen Schlafphasen und gibt über die Handy-App Tipps für einen besseren Schlaf. Die App haben wir bei Mitbewerbern freilich schon besser erlebt. Man sieht zum Beispiel nur grob die Uhrzeiten der einzelnen Phasen, man kann also nicht auf die Minute genau feststellen, wann es eine Wachphase gab (zu der die Uhr offenbar auch das simple Umdrehen im Schlaf zählt).

Die Schlafanalyse: Genaue Uhrzeiten zu den einzelnen Schlafphasen erfährt man nicht, jede Bewegung im Schlaf wird als Wachphase gewertet
Die Schlafanalyse: Genaue Uhrzeiten zu den einzelnen Schlafphasen erfährt man nicht, jede Bewegung im Schlaf wird als Wachphase gewertet

Das könnte Samsung mit einem einfachen Update der Gesundheitsapp verbessern. Ebenso wie die Datenerfassung beim Mountainbiken. Man bekommt zwar genaue Auskunft über die durchschnittliche und die maximale Geschwindigkeit, über verbrauchte Kalorien und Herzfrequenz, auch der Weg wird präzise per GPS aufgezeichnet - die absolvierten Höhenmeter werden aber nicht angezeigt. Dabei sind sie beim Mountainbiken interessanter, als beispielsweise der Gesamtanstieg oder die größte Steigung, die die App anzeigt.

Die Radfahrer hat Samsung mit der Uhr offenbar generell nicht so stark im Fokus wie die Läufer, die sich sogar über die Watch 5 Pro coachen lassen können. Will man etwa beim Radfahren den aktuellen Puls sehen, genügt es nicht, die Hand vom Lenker zu nehmen. Da bleibt der hochauflösende Bildschirm nämlich schwarz. Man muss stattdessen die Hand vom Lenker nehmen, sie kurz wie beim Gehen an der Seite herunterhängen lassen, erst dann wird mit dem Hochheben auch der Bildschirm aktiv.

Bei der Auswertung der Mountainbike-Runde fehlt die Angabe der absolvierten Höhenmeter
Bei der Auswertung der Mountainbike-Runde fehlt die Angabe der absolvierten Höhenmeter

Vieles andere, was die Watch 5 Pro kann, können smarte Uhren der großen Mitbewerber auch. Musik abspielen beispielsweise, Gehwege aufzeichnen, Routen importieren und sich von der Uhr führen lassen. Man kann damit auch telefonieren - worüber wir immer wieder gespottet haben, bis wir einen wichtigen Anruf auf dem Supermarktparkplatz entgegennehmen mussten, weil das Handy im Auto lag - und WhatsApp mit vorgegebenen Texten beantworten.

So viele Features zehren am Akku, auch wenn der Stromverbrauch in unserem Test durchaus akzeptabel war. Einige Uhren müssen jeden Tag an die Steckdose (Apple), andere halten weitaus länger als eine Woche (Huawei, Xiaomi), den 590mAh-Akku der Galaxy Watch 5 Pro mussten wir - bei Nutzung auch beim Schlafen - alle drei Tage aufladen.

Der große Akku fordert seinen Tribut in Gestalt einer relativ dicken Uhr. 15 Millimeter sind nicht gerade unauffällig und am Anfang beim Tragen durchaus gewöhnungsbedürftig. Die Höhe kommt auch von dem etwa einen Millimeter hohen Rand, der das Display aus Saphirglas beschützt. Das Gewicht der Uhr: 46,5 Gramm (nur das Gehäuse).

Der unverbindliche Verkaufspreis der Samsung Galaxy Watch 5 Pro liegt bei 469 Euro, im Handel findet man sie für um die 400 Euro.