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Kinderliteratur

Was wurde aus dem Räuber?

Nicholas Ofczarek nimmt sich in der Neuverfilmung „Der Räuber Hotzenplotz“, was er will. Der Film startet am 8. Dezember in den Kinos.
Nicholas Ofczarek nimmt sich in der Neuverfilmung „Der Räuber Hotzenplotz“, was er will. Der Film startet am 8. Dezember in den Kinos.Studiocanal GmbH
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In Kinderbüchern sieht man kaum mehr einen Räuber. Übt das Verbotene, Böse, lustvoll Anarchische keinen Reiz mehr aus? Zum 60. Geburtstag des Räubers Hotzenplotz.

Schon das Wort klingt beinahe antiquiert: Denkt man bei Räubern nicht unwillkürlich an säbelschwingende, dickbäuchige, bärtige Männer in Höhlen? An das Märchen von Ali Baba oder eben den berühmten Hotzenplotz? Lang war wenig zu sehen von diesen mehr oder weniger bösen Gestalten, nun taucht der (Anti-)Held aus Ottfried Preußlers Klassiker wieder allerorts auf: Zu seinem 60. Geburtstag wurde der Bösewicht mit der Pfefferpistole neu aufgelegt und bekam gleich noch ein Kinderkochbuch dazu, mit Rezepten für „Gefesselten Fisch“ und „Pistolenkugeln mit Tunke“. Und Nicholas Ofczarek spielt den Hotzenplotz in einer Neuverfilmung.

So viel Aufmerksamkeit bekam ein Räuber schon lang nicht mehr. Wenn man die Kinderbücher der letzten Jahre und Jahrzehnte betrachtet, gehört er vielleicht sogar zu einer aussterbenden Gattung. Eine Figur, die lustvoll Verbotenes tut, sich nicht infrage stellt, wortwörtlich aus dem Bauch heraus agiert. Denn oft genug ist es der Hunger oder Gusto, der ihn anstiftet. Das Mittagessen der Großmutter reizt den Hotzenplotz so sehr, dass er nicht nur stiehlt, was auf dem Herd steht, sondern die alte Dame gleich dazu, als Köchin. Das hat etwas herrlich Anarchisches und frappierend Egomanisches. Er ist auf kindliche Weise offen, dieser Räuber, er stellt sich hin, sagt: Ja, so bin ich. Was ich will, das nehme ich mir. Ist er deshalb ein schlechter Mensch?