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Im Kino

Ein Filmchen sucht nach dem Wien von gestern

film a little love package
Eine Frau und ihre Maklerin (Angeliki Papoulia und Carmen Chaplin, eine Enkelin Charlies) treiben durch Wien, auf der Suche nach einer Wohnung: Das ist der vordergründige Plot dieser Mischung aus Fiktion, Porträt und Dokument.Filmgarten
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Weiche Eier, Flügeltüren und ein Café, in dem man rauchen darf: Im nostalgischen kleinen Film „A Little Love Package“ flaniert ein argentinischer Regisseur durch seine Wien-Fantasie.

Ach, wie schön ist Wien – für Nicht-Wiener! Für viele Wiener auch, keine Frage; aber der Blick von außen legt sich dann doch besonders gern auf die Sonnenseiten der Stadt. Selbst, wenn er weitgehend kitschresistent ist, wie der Richard Linklaters in „Before Sunrise“. Oder der Jem Cohens in seiner KHM-Schwelgerei „Museum Hours“. Eine Ansicht des Wienflusses aus diesem Film findet sich fast bildident auch in „A Little Love Package“ wieder, der jüngsten Arbeit des argentinischen Regisseurs Gastón Solnicki. Wie Cohen ist auch er Stammgast der Viennale, war gar befreundet mit dem 2017 verschiedenen Festivalintendanten Hans Hurch, dem er auch den Gedenkfilm „Introduzione all'oscuro“ widmete. „A Little Love Package“ wirkt nun wie dessen Weiterführung: Eine essayistische, enorm persönliche Promenade durch eine gleichsam in Bernstein gegossene Fantasiestadt, die wirklich existiert.

Was es dort zu sehen gibt? Zum Beispiel das Café Weidinger, wo man noch selig mit Heißgetränk und Zeitung wertvolle Zeit vergeuden darf, als hätte es die Digitalisierung nie gegeben. Nur, leider: Tschicken geht nimmer. „Der gefürchtete Tag war gekommen, wahrlich das Ende einer Ära“, klagt der peruanisch-mexikanische Romancier Mario Bellatín eingangs als Erzähler im Off, „Österreich hat das Rauchen in Kaffeehäusern verboten, die letzten Spuren einer großen Vergangenheit sind somit perdu.“ Wir schreiben das Jahr 2019: Eine Frau schabt das Hinweispickerl für den „abgetrennten Raucherraum“ ab. Ein bisserl Melancholie als Aperitif – unaufdringliche Nostalgie für Alt-Wien gibt es dann als bekömmlichen Hauptgang.