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Retail

Wieder mehr Optimismus im stationären Einzelhandel

Einkaufssamstag auf der Wiener Mariahilfer Straße.(c) APA/ALEX HALADA (ALEX HALADA)
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Laut dem neuesten Retail-Marktbericht von Otto Immobilien sind Umsätze, Passantenfrequenz und Hotelauslastung seit dem Frühjahr wieder besser.

Die Herausforderungen für den heimischen stationären Einzelhandel sind deutlich gestiegen. „Trotzdem wird der Einzelhandel wieder zu seiner alten Stärke – dem Niveau vor der Pandemie – zurückfinden“, ist Anthony Crow, Teamleiter Geschäftsflächen bei Otto Immobilien überzeugt. Am Dienstag veröffentlichte das Immobilienunternehmen seinen neuen Retail-Marktbericht, der trotz der aktuellen wirtschaftlichen Lage durchaus positiv für den stationären Einzelhandel ausfällt: „Seit dem heurigen Frühjahr sind Umsatzerwartungen und Expansionspläne des Handels wieder optimistischer, auch die Passantenfrequenzen haben sich in fast allen Lagen der City durchwegs positiv entwickelt und sind in den wichtigsten Wiener Einkaufsstraßen wieder auf dem Niveau vor der Coronakrise angekommen“, sagt Crow.

„Die wieder zunehmenden Passantenfrequenzen in den Einkaufsstraßen
beflügeln die Nachfrage nach Geschäftsflächen und wirken sich positiv auf den Vermietungsmarkt aus. Das Vermietungsvolumen liegt bislang bei rund  zwölf Prozent über dem Vorjahreswert. Aufgrund der durchaus regen Dynamik des Marktes konnten vor allem in Premiumlagen zeitnahe Nachvermietungen gewährleistet und somit übermäßiger Leerstand verhindert werden", so Crow.

Dies gilt auch für die Bundesländer: Hier nimmt die Nachfrage nach Geschäftsflächen, im Speziellen in Landeshauptstädten wie Graz, Linz,  Salzburg oder Innsbruck, kontinuierlich zu. „Vor allem internationale Retailer signalisieren nach und nach vermehrt Interesse an einem Markteintritt in direkter Kombination mit einer stationären Dependance in Wien“, weiß Patrick Homm, Abteilungsleiter Immobilienvermarktung Gewerbe bei Otto Immobilien.

Einkaufsstraßen in Wien

Die Nachfrage nach Geschäftsflächen vor allem in der Wiener Innenstadt ist weitgehend konstant: Bis dato konnten auf der Kärntner Straße heuer alle am Markt befindlichen Shopflächen nachvermietet werden. Ein signifikanter Leerstand ist somit nicht zu beobachten. Laut Marktbericht sind die Mietpreise (Kärntner Straße) ebenfalls nach wie vor stabil, die Spitzenmieten liegen hier bei 350 Euro pro m².

Trotz hoher Mieten, die in manchen Fällen im Schnitt rund 600 Euro pro Quadratmeter erreichen, ist die Vermietungssituation am Graben dynamisch. Das zeigte sich laut Otto Immobilien unter anderem in signifikanten Neuvermietungen: Das Luxuslabel Louis Vuitton übersiedelte auf den Graben. Denn ähnlich der Kärntner Straße konnten in diesem Jahr die meisten bis dato am Markt befindlichen Objekte mit namhaften Playern der Retail-Branche nachvermietet werden.

Laut Marktbericht liegt die Leerstandsrate auf der Mariahilfer Straße weiterhin bei rund zehn bis zwölf Prozent, bezieht sich jedoch zum Großteil auf Läden mit meist vertikaler Geschoßstruktur und hohen Mietniveaus. Diese befinden sich meist bereits mehrere Monate am Markt. Vakante Lokale sind zudem meist in der derzeit noch weniger nachgefragten Sektion der Mariahilfer Straße, am oberen Ende des Straßenzugs in Richtung Westbahnhof, sowie in Zonen, die durch diverse Entwicklungen wie dem Ausbau des neuen Verkehrsknotenpunktes teils stark beeinträchtigt sind, lokalisiert. „Wir gehen aber davon aus, dass der Standort Mariahilfer Straße mit seinem neuen U-Bahn-Knotenpunkt eine enorme Aufwertung erfahren und die Nachfrage nach Flächen mit großer Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen wird. Ein weiterer positiver Impuls wird das Großprojekt der Signa, das Kaufhaus Lamarr, sein“, sagt Crow.

Nach der Mariahilfer Straße und der Wiener Innenstadt ist die Landstraßer Hauptstraße die drittgrößte Einkaufsstraße Wiens. Geht es nach dem Otto-Marktbericht, so zeigt sich hier eine konstant hohe Nachfrage nach Geschäftsflächen, vor allem in der weiterhin am stärksten gefragten Zone des Straßenzugs, die sich von „The Mal"l Wien Mitte bis zur Galleria erstreckt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es allgemein mehr signifikante Bewegung im Mieterbesatz, auch für teilweise bereits länger leerstehende Lokale konnten nun attraktive Neumieter gefunden werden. Die Spitzenmieten liegen hier bei knapp 60 Euro pro Quadratmeter monatlich.

Bis auf die Favoritenstraße, wo laut Marktbericht der sogenannte „Wandel im Handel" deutliche Spuren hinterlassen hat, bleibt die Nachfrage nach Geschäftsflächen auf der Meidlinger Hauptstraße „auf konstantem Niveau“. Allerdings bleibt laut der Retail-Experten abzuwarten, welchen Einfluss das Projekt Vio Plaza, das nach Fertigstellung auch 10.000 m² an Geschäftsfläche aufweisen wird, auf die Einkaufsstraße ausüben wird.

Steigende Nächtigungszahlen

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich in der Hotellerie: Es gehe spürbar aufwärts, berichtet Martin Denner, Abteilungsleiter Research. Nach einem
kontinuierlichen Anstieg der Gästezahlen in den Wiener Beherbergungsbetrieben seit Jahresbeginn wurde in sämtlichen Monaten
des zweiten Quartals – erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie – die Millionengrenze bei den Nächtigungen wieder überschritten. Die Bilanz des ersten Halbjahres beträgt fünf Millionen Nächtigungen, was einen rechnerischen Zuwachs in der Höhe von 509 Prozent zu 2021 bedeutet, heißt es im Marktbericht.

Trends am Retailmarkt (Quelle: Retail-Marktbericht, Otto Immobilien

  • Die Fokussierung auf A-Lagen setzt sich weiter fort und konzentriert sich auf absolute Premium-Lagen. Dabei spielt die Flächengröße von rund 150-300 m² eine bedeutende Rolle. Nebenlagen, vor allem bei Großflächen, geraten weiter unter Druck. Der Trend zu Alternativnutzungen und Nahversorgung in B- C-Lagen schreitet voran.
  • Form und Funktion der Fläche verändert sich. Neuartige Konzepte
    und Alternativnutzungen dominieren nach und nach die Highstreets. Wo
    früher oftmals Mode als der wichtigste Anker und Baustein für einen
    attraktiven Branchen- und Mietermix galt, übernehmen nun nach
    und nach Konzepte aus den Branchen Detailhandel, handelsnahe
    Dienstleistungen oder Gastronomie diese Rolle. „Verstärkt sind
    neuerdings Konzepte aus dem Bereich E-Mobilität zu beobachten,
    die die Innenstadt als Plattform und zusätzlichen Vertriebskanal
    nutzen“, berichtet Homm.
  • „Der Fokus des Einzelhandels verschiebt sich weiter in die digitale Welt, das steht außer Frage“, so Crow. Dies bedeute jedoch nicht, dass Geschäftslokale mittel- wie langfristig zur Gänze an Bedeutung verlieren. „Je digitaler unser Alltag wird, umso wichtiger werden analoge Touchpoints.

(red.)