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Literatur

Dichten mit Ovid und Elvis

Vom Magischen, vom Verfluchten und vom täglichen Horror: der Lyrikband „Im Dunkeln gekritzelt“ des vergangenen Montag verstorbenen Charles Simic.

Charles Simic war ein Dichter rätselhafter Bildwelten und berührender Szenen, ein poetischer Flaneur, der im Alltag das Wunderbare in aller Schönheit und Schrecklichkeit erkannte und in höchst konzentrierter Form zu beschreiben verstand. Vergangenen Montag ist der 1938 in Belgrad geborene und 1953 mit seiner Familie in die USA emigrierte Dichter im Alter von 84 Jahren in New Hampshire gestorben.

In seinem umfänglichen Werk verbinden sich europäische und amerikanische Erfahrungen, Traditionen und Bezüge. Ovid und Emily Dickinson stehen darin ebenso nebeneinander wie Petrarca und ein „betagter Elvis“. Das nun bei Hanser in Übersetzung erschienene „Im Dunkeln gekritzelt“ vereint gleich zwei seiner späten Lyrikbände („Scribbled in the Dark“, 2017, und „Come Closer and Listen“, 2019).

Das Magische, das Verfluchte und das Verzauberte, all das ist für Simic im sogenannten Alltag und dem „täglichen Horror“ angelegt und wartet nur auf dichterische Verwandlung. Wenn also missmutige Krähen, zwielichtige Vogelscheuchen oder gar der zu arbeitslosen Schauspielern herabgesunkene antike Pantheon auf „Narren wie uns“ schauen, dann tut sich da keine heile, harmlos befriedete Welt auf. Vielmehr werden das menschliche Treiben und Tun in all seiner Absurdität deutlich, eben auch weil die müden, nicht eingreifenden Götter uns als „Glühwürmchen, die auf einem Friedhof Verstecken spielen“, wahrnehmen.