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Buchbesprechung

"Das Porzellanzimmer": Wo weder Güte noch Liebe wohnen

Sunjeev Sahota las erst mit 18 Jahren seinen ersten Roman: „Mitternachtskinder“ von Salman Rushdie.
Sunjeev Sahota las erst mit 18 Jahren seinen ersten Roman: „Mitternachtskinder“ von Salman Rushdie.(c) Alamy Stock
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Drei Bräute, drei Ehemänner, aber wer gehört zu wem? Sunjeev Sahota macht in „Das Porzellanzimmer“ daraus einen großen Roman über vererbte Traumata.

Alles beginnt und endet mit einem Foto: eine alte Inderin, die ein brüllendes Neugeborenes im Arm hält. Das Foto zeigt den britischen Schriftsteller Sunjeev Sahota mit seiner Urgroßmutter. „Dieses Bild begleitet mich schon lange und ich wollte es schon immer ans Ende dieses Buches setzen.“ Das Foto verknüpft die beiden Erzählstränge in Sahotas mitreißendem und lose autobiografischem Roman „Das Porzellanzimmer“. Eine Familienlegende der Sahotas besagt nämlich, dass eine Urgroßmutter nicht wusste, mit welchem von vier Brüdern sie verheiratet war.

So ergeht es auch der jungen Mehar, die 1919 im Alter von fünf Jahren einer Familie mit drei Söhnen als Braut versprochen wird. Zehn Jahre später findet die Hochzeit statt – aus logistischen und finanziellen Gründen mit einer Feier, bei der alle drei Paare gleichzeitig verheiratet werden. Die Tradition verlangt, dass die Braut komplett verschleiert ist, wodurch sie weder etwas sieht noch etwas hört und so nie erfährt, wie ihr Mann aussieht.