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RH-Kritik am Volkstheater: Schwache Auslastung

(c) Michaela Bruckberger
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Die Auslastung des Volkstheaters liegt im Vergleich mit 60 Prozent weit unter den anderen großen Bühnen Wiens. Das Burgtheater meldet eine Auslastung von 88 Prozent, das Theater in der Josefstadt 89 Prozent.

Am heutigen Dienstag passiert der jüngste Rechnungshofbericht über das Wiener Volkstheater den Ministerrat. Eine Routine-Angelegenheit. Kommentare werde es dazu nicht geben, schon gar nicht von Seiten des Kanzlers, wie das Kanzleramt mitteilt. Das wäre auch ungewöhnlich. Speziell SP-Politiker halten sich bei Theaterchefs mit Wertungen zurück.

Bereits 2008 prüfte der Rechnungshof (RH) das Volkstheater (VT). Nun forschte er nach, ob seine Empfehlungen umgesetzt wurden. Dies ist nur zum Teil der Fall. „Nicht gelungen ist es dem Volkstheater, die Zahl der Abonnenten zu erhöhen“, so der RH wörtlich. Die Anzahl der Besucher schwankt: 2007/08 stieg sie von 208.740 auf 214.346 und fiel 2008/2009 wieder zurück auf 203.309. Das entspricht einer Auslastung von 57 bis 62 Prozent und ist deutlich niedriger als bei den anderen großen Wiener Bühnen. Die Josefstadt meldet von September bis Ende November 2010 eine Gesamtauslastung von 89,28 Prozent als Durchschnittswert für beide Häuser. Das Haupthaus erreichte 84, die Kammerspiele 95 Prozent – letzteres ist überraschend: Die Kammerspiele gelten als die Cash Cow der Josefstadt. Die Programmlinie hat sich allerdings von reiner Belustigung weg bewegt zu durchaus kontroversiellen Darbietungen – von der frivolen „Ladies Night“ oder „Cabaret“ bis zum trüben „Frühlings Erwachen“ (Wedekind).

Das Burgtheater meldet von 8. September 2010 bis 9. Jänner 2011 eine Gesamtauslastung von 87 Prozent, davon 88 Prozent im Burgtheater und ebenfalls 88 Prozent im Akademietheater. Das Volkstheater unter Direktor Michael Schottenberg erreicht aber auch weniger Auslastung als zu den Zeiten von Vorgängerin Emmy Werner, die ebenfalls zeitweise kämpfte und viele Uraufführungen zeigte. Die Auslastung lag damals aber immer über 70 Prozent.

Bei Schottenbergs Amtsantritt 2005 wurde ein roter Stern am Volkstheater montiert, ein Signal, das viele ärgerte. Bei Direktionswechseln gibt es allerdings öfter Einbrüche beim Abo. Schottenberg konnte aber, jedenfalls laut RH, die Abonnenten nicht zurückgewinnen. Ihre Anzahl ging jeweils mit Stichtag 30.6. bei der großen Bühne im Haupthaus von 7.127 (2006) auf 4.821 (2009) „weiter“ zurück: „Die vom VT ergriffenen Maßnahmen, die Anzahl der Abonnenten für die große Bühne im Haupthaus zu erhöhen, führten zu keiner tatsächlichen Erhöhung der Anzahl der Abonnenten“, betont der RH. Er verlangte, dass die Erlöse (2,43 bis 2,63 Mio. Euro, 2006–2009, fast 60 Euro Subvention pro Karte) durch Marketingmaßnahmen verbessert sowie die Freikarten reduziert werden. Laut RH stieg die Anzahl der Organisationen, die Ermäßigungen bekommen, von 55 (2005/06) auf 59 (2009/10). Immerhin ging der Anteil der Freikarten von 6,3 auf 5,1 Prozent zurück.

 

Schottenberg widerspricht Rechnungshof

Trotz der instabilen wirtschaftlichen Lage wurden die Preise für Volkstheater-Karten teilweise deutlich erhöht, vor allem bei Einzelkarten, riskant bei einem Haus, das so stark auf den freien Verkauf angewiesen ist wie das VT. Ca. 10,3 Mio. Euro Subventionen bekommt die Bühne, die rund 270 Mitarbeiter beschäftigt und gut 900 Plätze hat. Mindestens 11 Mio. Euro wären nötig. Das Burgtheater hat 46,7 Mio. Euro Subvention

Heuer im Mai hat das VT seine Auslastung mit 80 Prozent angegeben, was angesichts des RH-Berichtes rätselhaft wirkt. VT-Chef Schottenberg behauptet in einer schriftlichen Stellungnahme an die „Presse“, die Gesamtauslastung liege derzeit bei 78 Prozent, das Volkstheater habe nicht so viele Abonnenten verloren wie vom Rechnungshof erklärt: „Seit der Spielzeit 2005/06 hat das Volkstheater von seinen gesamt 13.366 verkauften Abonnements 1207 verloren, was einem Rückgang von nur neun Prozent entspricht“, schreibt Schottenberg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2011)