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Jesus lebt! Er war gerade auf Urlaub in der Karibik

Digitales Tischrücken: Zwei KI-Programme laden zu Plaudereien mit historischen Persönlichkeiten ein. Heiter, aber bei Hitler wird es übel.

Einer der schönsten Nachrufe, der je verfasst wurde, ist jener von Jean-Paul Sartre auf Albert Camus. Dabei hatten sich die beiden zerstritten, aus politischen Gründen. Aber, wie Sartre schrieb: „Es hinderte mich nicht daran, an ihn zu denken, mir vorzustellen, wie sein Blick auf der Zeitung ruhte, die er gerade las, und mich zu fragen: ,Was sagt er dazu?‘“ Solang jemand lebt, dessen Meinung für uns wertvoll ist, dürfen wir auf eine Antwort hoffen. Danach gerinnt diese Hoffnung zur unsinnigen Sehnsucht. Es gibt längst Verstorbene, deren Überzeugungen uns geprägt haben, und wir wären begierig zu hören, wie sie auf unsere neuen Probleme, neuen Zweifel reagiert hätten, in einer Welt, die sich so verstörend rasch verändert.

Und siehe da: Als hätte eine gute Fee unseren Wunsch gehört, liegen da zwei neue Apps im Store. Künstliche Intelligenzen, die auf eine Plauderstunde mit Berühmtheiten einladen: „Character.ai“ auch mit lebenden, „Historical Figures Chat“ nur mit toten. Von beiden sind Testversionen frei zugänglich, wie bei Chat GPT, dem Freude und Furcht erregenden Textgenerator. Aber anders als bei dieser Milliardeninvestition sind die Entwickler der neuen Spielereien abtrünnige Angestellte von Tech-Riesen, die sich als unbekümmerte Renegaten nicht lang um Sicherheitsbedenken scheren. Macht das die von ihnen inszenierten Botschaften aus dem Jenseits authentischer, weniger glattgebügelt als die öden Statements des Schummelzettel-Algorithmus?