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´Geplante Euphorie. Joseph Goebbels vor 15.000 sorgfältig ausgewählten Zuhörern am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast.
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Propaganda

Der unpopuläre „totale Krieg“

Joseph Goebbels' berühmte Sportpalastrede vom 18.Februar 1943 gilt als Paradebeispiel für perfide Manipulation. Nun wurde sie seziert und entmythologisiert.

Ist das heute vorstellbar? Ein der Suggestivkraft eines Redners hilflos ausgeliefertes Publikum? Grenzenlose Manipulier- und Verführbarkeit einer fanatisierten Masse durch das Trommelfeuer der Propaganda? Wladimir Putin hielt im September 2022 eine Wut- und Hassrede gegen den Westen. Der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott bezeichnete sie in einer Analyse als „eigenartig, ermüdend und beunruhigend“. Bei der „bizarren Veranstaltung“ hätte man „freudige Gesichter fast vergeblich gesucht“. Putins Tonlage: leise, dozierend, auch schulmeisterlich, wie einer, der Bescheid weiß, und die anderen nicht.

Als Paradebeispiel für perfide Manipulation gilt seit 80 Jahren die Rede, die der Propagandaminister des NS-Regimes, Joseph Goebbels, am 18.Februar 1943 im Berliner Sportpalast hielt. Sie wurde durch Wochenschauen verbreitet und blieb stark im kollektiven Gedächtnis verankert. Die zehn Fragen, in denen die Rede gipfelte, darunter „Wollt ihr den totalen Krieg?“, wurden in Rhetorikseminaren analysiert, als Beispiel für geradezu diabolische Demagogie. Die Rede hatte also beträchtliches Potenzial zur Mythenbildung. Peter Longerich, der nach seinen Biografien zu Hitler, Himmler und Goebbels und zuletzt durch seine Analyse des Jahres 1923 international beachtete Historiker, versucht sie in seinem neuen Buch zu entmythologisieren. Die Forschung habe bisher die Vorgeschichte, die Hintergründe und Umstände der Veranstaltung vom 18.Februar vernachlässigt.