Die zehn Finalisten für das Wettsingen in Düsseldorf stehen fest. Deutschland sucht derweil ein Lied für Lena. Österreich ist nach dreijähriger Absenz wieder dabei und tritt im zweiten Semifinale an.
Das Publikum hat bei der ORF-Auswahl für den Songcontest nicht das letzte Wort: Das Ergebnis der Publikumswahl (rund 50.000 SMS) wurde mit der Entscheidung einer 15-köpfigen Ö3-Jury „gematcht“. So nennt es Programmchef Wolfgang Böhm. Am Dienstag präsentierte er die zehn Finalisten, die am 25.Februar im Fernsehhauptabend um die Teilnahme am Songcontest kämpfen.
Jury und Publikum haben ganz offensichtlich einen ähnlichen Geschmack, der nur minimal voneinander abweicht. Verständlich, schließlich machen die Jurymitglieder das Programm für die Hörer, die im Jänner ihre Stimme abgeben durften – da ergibt sich automatisch eine Schnittmenge. Aus der Bestenliste des Publikums hinausgefallen sind der ORF-„Held“ Julian Heidrich, die Mary Broadcast Band aus Wien und die ATV-Moderatorin Kathrin Lampe alias Katie Lunette. In die Top 10 geschafft haben es stattdessen Ex-„Starmania“-Sänger Oliver Wimmer und die steirischen Sängerinnen Charlee und Eva K. Anderson. Letztere versteht das kommerzielle Popfach, schrieb sie doch für Christina Stürmer den Hit „Ich lebe“ – und bringt nicht zu wenig Selbstbewusstsein mit: „Ich liebe meine Songs, ich steh' auf meine Musik.“
Der zweite Platz wäre der beste
Österreich ist nach dreijähriger Absenz wieder beim Songcontest dabei und tritt am 12.Mai im zweiten Semifinale an. Das Finale findet am 14. Mai statt.
Gute Chancen kann sich die steirische Band Klimmstein ausrechnen, wenn man dem Massengeschmack traut. Sowohl Jury als auch Publikum wählten sie weit nach vorn. Vielleicht auch weil sie sich mit Joe Sumner, Sohn von Popveteran Sting, einen zumindest Semi-Prominenten an Bord geholt hat. Der Songtitel „Paris, Paris“ freilich ist ein wenig irritierend.
Auch wenn mit Julian Heidrich ein ORF-Favorit aus dem Rennen ist, ist erkennbar: Der ORF nutzt den Bewerb auch dafür, seine hausgemachten Künstler zu bewerben: Lukas Plöchl verfehlte zwar den ersten Platz bei den „Helden von morgen“, hofft aber, mit seinem Freund Manuel Hoffelner und der bereits erfolgreichen Rap-Nummer „Oida Taunz!“ in Düsseldorf zum Helden zu werden. Die Ziehharmonika („Quetschn“), der sie in dem Lied huldigen, sei schließlich auch in anderen europäischen Ländern kulturell verankert, sagte Plöchl am Dienstag.
Richard Klein, der als Inkarnation von Little Richard mit der Rock'n'Roll-Nummer „Bigger, Better, Best“ antritt, weiß die Fans des ORF-Comedy-Duos Stermann und Grissemann hinter sich. Und dann sind da noch Oliver Wimmer und Nadine Beiler: Zwei brave Ex-„Starmaniacs“, die Popmusik ohne Ecken und Kanten machen und dennoch einige Fans haben.
In Deutschland sucht man derweil seit Montag ein passendes Lied für die Vorjahresgewinnerin Lena Meyer-Landrut, die ein zweites Mal ihre Chance versuchen will. Wenn es nach dem ORF geht, könnte Deutschland ruhig erneut gewinnen. Denn ein Sieg würde ihn sehr teuer kommen. So gesehen träumt man am Küniglberg vom ehrenvollen zweiten Platz.
Die zehn Finalisten, von denen einer Österreich beim Song Contest vertreten wird, stehen fest. Entschieden hat nicht nur das Publikum, sondern auch eine Ö3-Jury: Drei vom Publikum gewählte werden daher doch nicht am 25. Februar um die Song-Contest-Teilnahme singen. Eine umstrittene Entscheidung, denn ausgeschieden ist auch Julian Heidrich, der beim Publikumsvoting auf Platz drei gelandet war. Die Jury reihte ihn nur auf den 24. Platz - insgesamt bedeutet das Platz 14 und damit das Aus. (c) ORF
Die steirische Band ist überraschend Nummer eins der Ö3-Show "Guten Morgen Düsseldorf": Das Publikum wählte sie auf Platz sieben, die Jury auf Platz eins. Zusammengezählt ergibt das den Sieg. Für "Paris, Paris" holte sich die Ska-Band Joe Sumner, den Sohn von Sting, ins Studio. Dialekt als Stilmittel steht bei der Band hoch im Kurs: So ist auch "Paris, Paris" eine Mischung aus Englisch, Französisch und Mundart. (c) ORF
Beiler, die Siegerin der dritten Starmania-Staffel, landet auf Platz zwei im Gesamt-Ranking. Sie hat immer noch eine hübsche Stimme, den Tiroler Akzent ist sie auch im Englischen immer noch nicht los. "The Secret Is Love" könnte locker der Titelsong für einen Disney-Film sein. Die Jury mag den Song trotzdem und reihte ihn sogar vor. Publikum: Platz 9, Jury: Platz 3, Gesamt: Platz 2 (c) ORF
Er tut so, als glaube er, die Reinkarnation von Little Richard zu sein, arbeitet aber eigentlich für den Jugendsender FM4 - und Christoph Grissemann und Dirk Stermann gehören zu seinen Fans. Einen Ohrwurm hat "Projekt X"-Mitglied Herbert Gaspari mit "Bigger Better Best" trotzdem hingekriegt. Auch er wurde vor der Jury vorgereiht. Publikum: Platz 10, Jury: Platz 2, Gesamt: Platz 3 (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
Die Shooting-Stars aus dem Mühlviertel wollen Österreich mit der Dialekt-Rap/Disco-Nummer "Oida Taunz" vertreten. Lukas Plöchl alias G-Neila und Manuel Hoffelner alias Manix schafften mit der Nummer auf Anhieb den Sprung an die Chartspitze. In der ORF-Castingshow "Helden von Morgen" landete Plöchl auf Platz zwei. Publikum: Platz 2, Jury: Platz 12, Gesamt: Platz 4 (c) ORF
Mit der Schmachtnummer "There Will Never Be Another You" gilt das Duo als Favorit: Beim Voting landeten Aberer und Kaiser auf Platz eins. Das Publikum des Senders kennt Aberer: Vor fünf Jahren kam er beim "Ö3-Soundcheck" auf Platz zwei. Publikum: Platz 1, Jury: Platz 14, Gesamt: Platz 5 (c) ORF
Schwere Gitarren, rollendes "R" und Meidlinger "L": Mit "Wir san do net zum Spaß" wollen die Wiener den heimisch gefärbten Rock n' Roll zurück in den Song Contest bringen. Zumindest über mangelndes Engagement kann man sich nicht beklagen. Publikum: Platz 4, Jury: Platz 13, Gesamt: Platz 6 (c) ORF
Eine Jury-Wahl, denn das Publikum wählte Eva K. Anderson nicht unter die zehn Finalisten. Die Steirerin, die für Christina Stürmer den Song "Ich lebe" geschrieben hat, tritt mit "I Will Be Here" an. Publikum: Platz 13, Jury: Platz 5, Gesamt: Platz 7 (c) ORF
Dass deutsche Bands wie MIA und Wir Sind Helden der Band WG als Vorbild dienen, hört man. Markus Weiß, Mia Koller und Bern Wagner versuchen sich mit "10 Sekunden Glück". Publikum: Platz 5, Jury: Platz 15, Gesamt: Platz 8 (c) ORF
Jury-Entscheidung: Auch der Burgenländer ist aus der Castingshow Starmania hervorgegangen. Er tritt mit "Let Love Kick in" an. Publikum: Platz 14, Jury: Platz 7, Gesamt: Platz 9 (c) ORF
Vom "Kiddy Contest" zum Song Contest? Zumindest hat die kleine Schwester von Michelle Luttenberger die Chance dazu. Das Publikum war von ihrem Song "Good to Be Bad" nicht so überzeugt, die Jury dafür umso mehr. Publikum: Platz 12, Jury: Platz 10, Gesamt: Platz 10 (c) ORF
Der Jury-Entscheidung zum Opfer gefallen ist neben Julian Heidrich auch Katie Lunette, besser bekannt als "Bauer sucht Frau"-Moderatorin Katrin Lampe. Sie lag beim Publikumsvoting noch auf Platz sechs. Publikum: Platz 6, Jury: Platz 19, Gesamt: Platz 25 (c) ORF
Keine Freunde in der Jury hat auch die Mary Broadcast Band, die das Publikum auf Platz acht reihte. Frontlady Mary Lamaro und ihre Band müssen sich vom Song Contest verabschieden. Publikum: Platz 8, Jury: Platz 25, Gesamt: Platz 17 (c) ORF
Dass das Publikum überstimmt wird, kann übrigens nicht mehr passieren: Bei der ORF-Show 25. Februar stimmen allein die Zuschauer darüber ab, welcher der zehn Finalisten Österreich beim Song Contest vertritt. (c) EPA (JULIAN�STRATENSCHULTE)