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Sabine Seidler: Erste Rektorin an technischer Uni

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Die 49-jährige Sabine Seidler steht ab Herbst der TU Wien vor. Als eine der wenigen Frauen schaffte sie es, an der Uni Karriere zu machen, denn Frauen bleiben in universitären Spitzenpositionen eine Seltenheit.

Wien. An den Vorwurf, die Quotenfrau zu sein, will sich Sabine Seidler nicht gewöhnen. „Diesen Vorwurf benutzen nur dumme Menschen“, sagt die 49-Jährige im Gespräch mit der „Presse“. Hören wird sie ihn wohl dennoch öfter: Seidler wurde gestern, Freitag, an die Spitze der TU Wien gewählt. Sie ist damit die erste Rektorin an einer technischen Hochschule in Österreich.

Die Werkstofftechnikerin hatte seit 2007 den Posten der Vizerektorin für Forschung inne. Als eine der wenigen Frauen schaffte sie es, an der Uni Karriere zu machen. „Wir arbeiten daran, dass die gläserne Decke zu bröckeln beginnt. Derzeit ist das aber noch nicht der Fall.“ Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung an der TU Wien habe bewiesen, dass bei der Anstellung wissenschaftlicher Mitarbeiter das Geschlecht noch immer eine Rolle spiele, sagt Seidler.

Das soll sich künftig ändern. Es gehe nicht nur darum, mehr junge Frauen für ein technisches Studium zu begeistern, „sondern diese auch im System zu behalten“. Denn während rund ein Viertel der Studierenden an der TU Wien weiblich ist, liegt der Anteil der Professorinnen nur bei 7,6 Prozent. Ein Trend, der sich an nahezu allen österreichischen Unis zeigt. Der Frauenanteil unter Studenten liegt bei rund 53 Prozent (siehe Grafik). Auch bei den Erstabschlüssen (Bachelor/Magister) haben die Frauen mit 58 Prozent noch die Nase vorn. Schon beim Zweitabschluss (Master/Doktorat) kehrt sich das Verhältnis um, hier liegt der Frauenanteil nur noch bei 47 Prozent. Je weiter man die Karriereleiter hinaufsteigt, desto weniger Frauen findet man. Nur zwei von zehn Professuren sind weiblich besetzt. Das Ziel von Uni-Ministerin Beatrix Karl – 26Prozent Frauenanteil – blieb unerreicht. In den Uni-Führungsgremien ist eine 40-Prozent-Frauenquote gesetzlich vorgeschrieben.

An die Spitze einer öffentlichen Uni haben es bisher überhaupt erst drei Frauen geschafft. Die erste war Ingela Bruner, die von 2008 bis 2009 die Uni für Bodenkultur leitete. Sie warf nach heftiger interner Kritik vorzeitig das Handtuch. Mit Sonja Hammerschmid steht auch der Veterinärmedizinischen Uni seit 2010 eine Frau vor. Die restlichen 19 Unis werden von Männern geführt. Wie Hammerschmid dringt nun auch Seidler in eine Männerdomäne ein. Dass sie sich an der TU gegenüber vielen männlichen Kollegen behaupten muss, stört sie nicht: „Ich bin das gewöhnt.“

„Ich bin kein Peter Skalicky“

Mit der Wahl von Sabine Seidler geht auch die 20-jährige Ära von Langzeitrektor Peter Skalicky zu Ende. Er trat nicht mehr zur Wahl an und wird sein Amt im kommenden Oktober übergeben. Dann werden auf die TU Wien einige Veränderungen zukommen, kündigt Seidler an. Das werde sich aus ihrer Persönlichkeit ergeben, denn: „Ich bin kein Peter Skalicky.“ Dass sie eine Frau der Tat ist, bewies sie bereits als Vizerektorin. Zwei Jahre nach Amtsantritt stellte sie einen Entwicklungsplan vor, der die radikale „Verschlankung“ der Forschungsschwerpunkte von 32 auf fünf vorsah. In ihrer vierjährigen Amtszeit als Rektorin möchte sie die Uni in ihren Schwerpunkten „sattelfest positionieren“. In mindestens ein oder zwei internationalen Uni-Rankings solle die TU deutlich „nach oben klettern“.

Der Wiedereinführung von Studiengebühren kann sie – im Gegensatz zu ihrem Vorgänger – nichts abgewinnen. Dieser hatte sich stets für Gebühren von 10.000 Euro ausgesprochen. „Ich halte Studiengebühren für kontraproduktiv“, sagt Seidler. „Die haben eher einen hygienischen Effekt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2011)