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Lampedusa: Mehr Flüchtlinge als Einwohner

Lampedusa Migranten
Migranten sitzen am Strand von Lampedusa(c) AP (Giuseppe Giglia)
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In der Nacht sind weitere 164 Migranten auf drei Booten auf der italienischen Insel gelandet. Insgesamt befinden sich 5500 auf Lampedusa. Die Behörden fürchten neue Bürgerproteste und Epidemien.

Am frühen Dienstagmorgen sind drei weitere Flüchtlingsboote mit 164 Migranten an Bord auf Lampedusa gelandet - damit steigt die Zahl der Flüchtlinge auf der kleinen Mittelmeerinsel auf über 5500, berichtet die italienische Tageszeitung "La Repubblica". Die 20 Quadratkilometer große Insel zählt normal nur 4500 Einwohner.

Die Flüchtlingswelle reißt seit Tagen nicht ab. In den vergangenen 48 Stunden sind knapp 2000 Menschen auf der Insel gelandet. "Die Situation ist unzumutbar. Wir sind nicht mehr in der Lage, öffentliche Sicherheit und Hygiene zu garantieren", warnte Bürgermeister Dino De Rubeis vor Bürgerprotesten. "Es besteht die Gefahr, dass Lampedusa explodiert."

Zudem befürchten die Behörden einen weiteren Flüchtlingsansturm durch die Angriffe westlicher Staaten auf libysche Ziele. "Wir rechnen, dass die Situation in Libyen bald zu Massenabfahrten führen wird", erklärte der italienische Innenminister Roberto Maroni. Italien ist in Verhandlungen mit Tunesien, um den Flüchtlingsstrom zu bremsen. "Wir sind bereit, Personal und Mittel zur Bekämpfung der illegalen Migration zur Verfügung zu stellen", sagte Maroni.

Behörden warnen vor Epidemien

Der Zustand im Flüchtlingslager, in dem maximal 850 Personen untergebracht werden können, ist dramatisch, berichteten italienische Medien. Viele Migranten mussten wegen Mangels an Betten auf dem Boden schlafen. Die Behörden warnten vor akuter Epidemiegefahr in dem überbelasteten Auffanglager der Insel. Das Flüchtlingswerk UNHCR bezeichnete die Überbelastung des Auffanglagers auf der Insel als besorgniserregend. "Es ist nicht mehr möglich, allen Migranten über Nacht Unterkunft in einem geschlossenen Raum zu bieten", sagte die italienische UNHCR-Sprecher Laura Boldrini.

Am Dienstag traf das Schiff der italienischen Marine "San Marco" auf Lampedusa ein, das 500 Migranten aufs Festland bringen soll. Seit Jahresbeginn sind bereits knapp 15.000 nordafrikanische Flüchtlinge auf Lampedusa eingetroffen.

(Ag./Red.)