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Konstantin Neven DuMont: Der verlorene Sohn

Konstantin Neven DuMont verlorene
(c) Www.BilderBox.com
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Konstantin Neven DuMont plant nach seinem Rauswurf aus dem familieneigenen Verlag ein eigenes Webportal. Er sieht sich als Opfer einer Kampagne.

Es war eine reichlich bizarre Geschichte, die im Herbst die deutsche Medienbranche beschäftigt hat: Mitte Oktober war das Gerücht aufgetaucht, Konstantin Neven DuMont, der jüngste Sohn des Kölner Verlegers Alfred Neven DuMont, schreibe unter verschiedenen Identitäten Kommentare im Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier.

Es waren keine freundlichen Kommentare, die Poster mit Nicknames wie „Desillusionierter“, „Kopf Schüttel“ oder „Hans Wurst“ veröffentlichten, sondern Rundumschläge gegen Konkurrenten, Freunde und das Verlagshaus M.DuMont Schauberg, zu dem die „Frankfurter Rundschau“ und seit 2009 „Berliner Zeitung“ und „Hamburger Morgenpost“ gehören und dessen Vorstand Konstantin Neven DuMont zu diesem Zeitpunkt noch war. Manchmal unterhielten sich die Poster miteinander. Was spätestens dann skurril anmutete, als Stefan Niggemeier behauptete, alle Kommentare würden von ein und derselben E-Mail-Adresse kommen: jener von Konstantin Neven DuMont. Der 41-jährige Verlegersohn, der das Kölner Verlagshaus in zwölfter Generation in die Zukunft führen sollte, beteuerte, dass nicht er, sondern fremde Personen unerlaubt von seinem Computer aus die Kommentare verfasst hätten. „FAZ“, „Spiegel“, „Bild“ – sie alle berichteten über die Verlegerposse. Und Konstantin Neven DuMont schien die Aufregung um seine Person irgendwie zu gefallen.


Wie die Kölner Buddenbrooks. Er heizte die Gerüchteküche sogar an, indem er bereitwillig Interviews gab, Reporter in sein nach Ayurveda-Maßstäben eingerichtetes Haus lud und seinen Vater ohne Zurückhaltung kritisierte: „Er blickt bei der Digitalisierung nicht so richtig durch“, zitierte ihn etwa der „Spiegel“. Dem „Focus“ gab er ein langes Interview, in dem er den Vater-Sohn-Konflikt so umschrieb: „Vielleicht nutzt mein Vater ja diese Geschichte aus, um sich als letzter großer Verleger zu positionieren, dem in der zwölften Generation kein Geeigneter nachfolgen konnte.“ Dass die Zeitungen irgendwann den Vergleich zu Thomas Manns Buddenbrooks zogen, war naheliegend. Ende November distanzierte sich der 83-jährige Alfred Neven DuMont in einem Brief an die Verlagsmitarbeiter von seinem Sohn: Das Haus sei in eine „misshellige Situation“ geraten – „durch meinen Sohn Konstantin“. Der Sohn, über den Verlagsmitarbeiter (anonym) sagen, er habe „einen an der Waffel“, wurde schließlich zwangsbeurlaubt und wenig später aller Ämter enthoben, seine ältere Schwester Isabella als Nachfolgerin eingesetzt. Kurz davor hatte der Bruder noch getönt: „Vorstand kann sie jedenfalls nicht werden, dafür braucht man ein abgeschlossenes Studium.“ Seit 1.März ist sie Vorstandsmitglied. Ein Interview hat Isabella Neven DuMont abgelehnt, sie wolle sich erst in ihrer neuen Aufgabe einfinden.

Beim Verlag in Köln darf und will niemand Auskunft über den Kontakt zu Konstantin Neven DuMont geben. Im Internet – da, wo sich der Verlegersohn zu Hause fühlt – ist er aber schnell auffindbar. Ein Interview gibt er, wenig überraschend, gerne – allerdings scheint es ein neues Abkommen mit Vater und Verlag zu geben. Immer wieder betont Neven DuMont im Gespräch: „Ich habe mit dem Verlag vereinbart, dass ich in der Öffentlichkeit nichts über mein Ausscheiden sage.“ Auch die Frage nach dem Verhältnis zu Vater und Schwester beantwortet er so: „Darüber kann ich nichts sagen. Aber ich kann darüber reden, wie sich die anderen Medien verhalten haben. Es ist offensichtlich, dass gerade die größten Konkurrenten der ,Frankfurter Rundschau‘ am unprofessionellsten agiert haben.“ Er meint damit die „Süddeutsche Zeitung“ und die „taz“. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, eigentlich auch Konkurrentin der „Rundschau“, habe differenzierter berichtet. Dass sie ihn einen „naiven Idealisten, der lieber aus dem Fenster schaut und sich überlegt, wie er die Welt retten kann“, nannte, tut er als „Polemik“ ab. Auch einen „verlorenen Sohn“ hatte ihn die Zeitung genannt. So sieht er sich nicht. „Aber wenn man darauf abzielt, dass ich nicht mehr im Verlag arbeite, kann natürlich etwas dran sein.“

Er ist überzeugt, dass „bewusst eine Kampagne gegen mich lanciert wurde. Ich bin noch am Recherchieren, von wem das ausgeht. Leider sind die, die daran beteiligt waren, nicht an der Aufarbeitung interessiert“. Noch sei er GmbH-Gesellschafter des Verlages, so wie sein Cousin Christian DuMont Schütte und sein Vater. Er arbeite derzeit an einem Webportal, das bald online gehen und in dem das aktuelle politische Geschehen analysiert werden soll – „mit besonderem Blick darauf, wie die Medien diese Themen aufnehmen“. Und ein privater TV-Sender habe ihm eine Talkshow angeboten, Konkretes dürfe er noch nicht sagen.

Zum Schluss kommt doch noch eine kleine Einsicht: Seine direkte Art, Probleme öffentlich anzusprechen, habe ihm sicher geschadet. „Das ist bei manchen auf der Entscheidungsebene im Verlag nicht gut angekommen.“

Konstantin Neven DuMont, geb. 1969, jüngstes von drei Kindern des Kölner Verlegers Alfred N. DM. Bis Ende 2010 Vorstand des drittgrößten deutschen Verlags M. DuMont Schauberg und u.a. Herausgeber der „Kölner Stadt-Anzeigers“ – bis er von seinem Vater aus dem Verlag gedrängt wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2011)