Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nazi-Netzwerk: Küssels Helfer sind wieder aktiv

Archivbild(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
  • Drucken

Mit Gottfried Küssel und einem Zweiten sitzt nur das Kernteam der Neonazi-Website "alpen-donau.info" in U-Haft. Wenigstens drei weitere Personen gingen am Mittwoch mit Video und neuer Website online.

Wien. Mit der Verhaftung von Gottfried Küssel und seinem am Mittwoch von der „Presse“ enttarnten Helfer A. (siehe Artikel unten) präsentierten die Behörden Anfang vergangener Woche die Betreiber der Neonazi-Website „alpen-donau.info“. Jetzt wird klar: Die beiden in U-Haft sitzenden Personen waren nur das Kernteam der Plattform, die zwei Jahre lang rechtsextreme Gruppierungen aus Österreich und seinen Nachbarländern vernetzte, von der „Gaskammerlüge“ sprach, Juden als „Geschmeiß“ und „Minusmenschen“ bezeichnete und nebenbei mit „alinfodo.com“ ein geschlossenes, konspiratives Forum für etwa 100 Neonazis bot.

Ende März verschwanden die Seiten aus dem Internet, der auf der Videoplattform YouTube betriebene Kanal war plötzlich verwaist. Bis zur Nacht auf Mittwoch. Ob Zufall oder nicht, pünktlich zum von Rechtsextremen auf der ganzen Welt gefeierten Geburtstag von Adolf Hitler (20.April1889) ging die Plattform mit gleichem Namen und anderer Browser-Endung (.net) wieder online. Praktisch zeitgleich wurde – wieder auf YouTube – ein neues Propagandavideo veröffentlicht. Einmal mehr stellen sich die Macher als zu Unrecht verfolgte Minderheit dar, die von einem autoritären Staat, Medien und Politikern links der Mitte unterdrückt würden. Video und Website nehmen direkten Bezug auf die Verhaftung von Küssel und seinem mutmaßlichen Helfer A.

Für die ermittelnde Staatsanwaltschaft Wien und den Verfassungsschutz stellt die Aktion so etwas wie ein PR-Desaster dar, da die Behörden schon in der Vergangenheit mehrfach dafür kritisiert worden sind, dem rassistischen, antisemitischen und hetzerischen Treiben planlos gegenüberzustehen. Die Razzia von vergangener Woche war nur ein kurzer Befreiungsschlag.

 

Die Nicknames der Neonazis

„Presse“-Recherchen ergaben, dass der Alpen-Donau-Komplex (Website, Forum, YouTube-Kanal) von mindestens fünf sogenannten Administratoren betrieben wurde. Es könnten jedoch auch mehr sein. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) fielen dabei Personen mit folgenden Alias-Namen auf: „BloodclawGoesWild“, „Frundsberg“ (so hieß eine ehemalige SS-Panzerdivision), „Eispickel“, „Antisem“ und „Dr. Brandt“ (benannt nach Karl Brandt, SS- und Begleitarzt von Adolf Hitler). Küssel und der 39-jährige A. sind seit 12.April außer Gefecht. Die Übrigen – die Spuren führen zu bekannten Namen in der Szene – jedoch hoch aktiv.

Der zuständigen Staatsanwaltschaft Wien wurden die jüngsten Aktivitäten der Gruppe ebenfalls am Mittwoch bekannt. Die Frage, ob es denn noch andere, bisher nicht öffentlich kommunizierte Haftbefehle gegen weitere Personen gebe, wollte eine Sprecherin mit dem Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht beantworten. Allerdings hatten die Ankläger zuletzt nicht ausgeschlossen, dass es noch mehr Mitbetreiber geben könnte.

Eben diese dürften sich inzwischen ins Ausland abgesetzt haben. Kriminalisten gelang es schon kurz nach der Freischaltung der neuen Ausweichadresse, durch die Auswertung von Datenspuren festzustellen, dass die Internetplattform „mit Sicherheit nicht von Österreich aus“ befüllt werde.

 

USA als Web-Refugium

Als Standort für den Server wählte die Gruppe wie schon zuvor die USA aus. Anders als hierzulande ist dort nationalsozialistische Wiederbetätigung nicht strafbar. Dieses Mal heißt der Betreiber Wild West Domains mit Sitz in Arizona.

Abseits dieser Entwicklung verdichten sich nun die Hinweise, dass Küssel – insbesondere jedoch A. – maßgeblich an der „alpen-donau.info“ beteiligt war. So sickerte durch, das A. in besten Geschäftsbeziehungen zu jenem Serverbetreiber steht, der den Ende März vom Netz gegangenen Alpen-Donau-Komplex hostete. Gemeint ist die US-Firma „Dreamhost“, bei der „alpen-donau.info“ Anfang 2009 erstmals online ging. Seit dem Jahr 2000 hat A. ebendort unter seinem vollen Namen eine Internetadresse registriert.

Schweitzers Schüler

Mit Gottfried Küssel sitzt ein gewisser A. als mutmaßlicher Betreiber der Neonazi-Website „Alpen-Donau“in U-Haft. Ex-Staatssekretär Karl Schweitzer (FPÖ; im BiId) hat seinen einstigen Schüler (HAK Oberwart) in den 1990ern zum Ring Freiheitlicher Jugend und auf eine Gemeinderatsliste gebracht. Als neonazistische Umtriebe A.s bekannt wurden, distanzierte er sich von ihm. [Gepa]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2011)