Die USA stehen besser da

Der Höhenflug des Euro täuscht. Die Amerikaner werden ihre Probleme eher lösen können als die EU.

Eine gewisse Ironie ist der ganzen Sache nicht abzusprechen: Griechenland steht trotz aller EU-Hilfen vor der Insolvenz. Nach Irland schlüpfte zuletzt auch Portugal unter den Rettungsschirm. In Italien und Spanien ist die Wirtschaftslage ebenfalls alles andere als rosig. Und was macht der Euro? Er setzt zum Höhenflug an und könnte schon diese Woche die Marke von 1,50 Dollar überschreiten.

Kann schon nicht so schlimm sein, die Krise des Euro, mag der Hobbyökonom nun meinen. Er wird eines Besseren belehrt werden. Denn die Amerikaner haben zwar ein ernstes Verschuldungsproblem. Um es zu lösen, müssen aber bloß ein paar Dutzend Abgeordnete den Präsidenten davon überzeugen, dass es an der Zeit sei, endlich den Sparstift anzusetzen. Sobald das passiert ist – und es wird passieren, ob in zwei Wochen oder in zwei Monaten –, wird der Dollar wieder an Fahrt gewinnen.

Im Gegensatz zu den USA hat die EU ein Verfassungsproblem: Ernsthafte Sanktionen gegen Mitglieder, die sich maßlos verschulden, sind nach wie vor nicht in Sicht. Solange Europas Politik dieses Problem nicht löst, wird der Euro von einer Krise in die nächste stolpern. Dagegen muten die US-Probleme fast schon klein an.

stefan.riecher@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2011)


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