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Ein Schwindler als Kommissar?

Die Grünen sagen: Johannes Hahn ist ein Plagiator, weg mit ihm! Ihr Gutachten allein wäre aber der falsche Grund.

Glaub nie einer Studie, die du nicht selbst gefälscht – oder wenigstens bezahlt – hast: Stefan Weber hat Johannes Hahn also Plagiat nachgewiesen. Und die Grünen, seine Auftraggeber, sagen nun: Weg mit ihm als EU-Kommissar! Doch so schnell sollte es dann auch wieder nicht gehen. Zugegeben, die „Beweise“ Webers sind erdrückend. Seitenweise scheint Hahn 1987 aus Büchern abgeschrieben zu haben, ohne das korrekt belegt zu haben. So etwas ist wahrlich kein Kavaliersdelikt.

Und sollte sich der Verdacht bestätigen, den Peter Pilz gestern mit kaum unterdrückter Freude verkündet hat, dann bedarf es dringend Konsequenzen – nicht nur der Aberkennung des Doktortitels. Aber davor braucht es, so verlangt es das Gesetz, eine Überprüfung durch Hahns Alma Mater. Die Uni Wien prüft auch schon seit Wochen – „ergebnisoffen“, nicht politisch motiviert. Die anderen Parteien – und auch die eigene, die ÖVP – sind gut beraten, das Ergebnis abzuwarten.

Hat Hahn großflächig abgeschrieben, dann müsste er zurücktreten: Als Kommissar wäre er für die EU untragbar. Wobei es eine kleine Ironie wäre, müsste er den Rückzug für einen Fehler von vor 24 Jahren antreten – und nicht für manche Versäumnisse späterer Jahre. Viel zusammengebracht hat er in Brüssel bis jetzt auch noch nicht.

Hahn könnte auch gleich den Doktor-Hut nehmen, sollte er tatsächlich der beschuldigte „Schwindler“ sein. Er selbst muss es schließlich am besten wissen.


regina.poell@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)