Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Hallstatt-Kopie in China: Ortschef rudert zurück

Bürgermeister sieht nunmehr Chance für Tourismus
(c) APA/BARBARA GINDL (Barbara Gindl)
  • Drucken

Bürgermeister Scheutz fühlt sich bei dem chinesischen Hallstatt-Nachbau missverstanden. Der katholische Pfarrer hält das Kopieren einer Kirche als Attraktion für bedenklich.

"Ich bin erstaunt, aber nicht empört", sagte der Hallstätter Bürgermeister Alexander Scheutz (SPÖ) am Mittwoch. Wie die "Presse" berichtete, besteht der Plan, den Weltkulturerbe-Ort im oberösterreichischen Salzkammergut in der chinesischen Provinz Guangdong für ein Wohnprojekt eins zu eins nachzubauen. In Medienberichten vom Dienstag fühlte er sich missverstanden. Die beiden Pfarrer von Hallstatt melden sich ebenfalls zu Wort und wollen nicht, dass ihre Kirchen nur als Museen gesehen werden. Stolz und Skepsis zeigen die Gastronomen im sonst so beschaulichen Salzkammergut-Ort.

Chance für Tourismus

In den Medien wurde Scheutz mit den Worten zitiert: "Wie werden nicht zulassen, dass die unseren Ort einfach nachbauen." Nunmehr sieht der Ortsvorsteher die Angelegenheit nicht mehr sehr dramatisch. Die Gemeinde erhofft sich sogar ein Umsatzplus: "Ich glaube, dass es ein Tourismusmotor werden könnte."

Ähnlich sieht die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Dachstein-Salzkammergut, Pamela Binder, den geplanten Hallstatt-Nachbau. Es sei ein "Geschenk" und  eine "tolle Werbung", denn eine flächendeckende Bearbeitung des immer wichtiger werdenden chinesischen Marktes wäre aus finanziellen Gründen gar nicht möglich, sagte Binder.

Während Sepp Zauner, Wirt des betroffenen gleichnamigen Gasthofs im Ortszentrum, stolz ist - schließlich sei sein Gasthof schon vor mehr als 20 Jahren im japanischen Sapporo nachgebaut worden-, ist es für Monika Wenger, Eigentümerin des "Grünen Baum", eine zweischneidige Geschichte. "Man hätte uns einbeziehen können", findet sie.

Pfarrer im Gleichklang

"Hallstatt ohne Kirchen ist nicht Hallstatt", betonte der katholische Pfarrer Richard Czurylo ebenfalls  am Mittwoch. Aber er hält das Kopieren eines Gotteshauses als Attraktion für bedenklich. In das selbe Horn stößt sein evangelischer Amtskollege Iven Benck: "Es hängt davon ab, wie die Kirche präsentiert wird. Ich würde mir wünschen, dass zumindest die Funktion des Gebäudes erklärt wird."

Hallstatt mit dem charakteristischen Spitzturm der evangelischen Pfarrkirche direkt am See, oder das schmucke katholische Gotteshaus eingebettet im historischen Häusermeer - beide Bauten ziehen Touristen-Massen in den Salzkammergut-Ort. Zum Leidwesen der Geistlichkeit: "Immer wieder kommen während der Messen Menschen kurz in die Kirche, gehen umher und ziehen wieder weiter", schilderte Benck die Lage. Ähnliches erzählte Pfarrer Czurylo.

"Für Touristen sind es vielleicht Kunstwerke. Für uns sind es Bauwerke zur Ehre Gottes, und die sollen sie auch bleiben", sagt Czurylo. Wenn man ein solches Gebäude aufstelle, sollten sich Menschen zumindest fragen, was der Sinn war oder ist.

Treffen mit Chinesen für Juli geplant

Für Juli wäre eigentlich die Präsentation des Projektes seitens der chinesischen Delegation geplant gewesen. "Ich hätte mir alles in Ruhe angesehen und dann mit der Bevölkerung gesprochen", erklärte Bürgermeister Scheutz das ursprünglich geplante Vorgehen.

Dann sei aber durchgesickert, dass Häuser detailgenau in Fernost nachgebaut werden sollen. Entsprechende Zeichnungen hätten bereits existiert. "Ich verstehe das Unbehagen der betroffenen Einwohner", so Scheutz. Dies sei auch ein Punkt auf der Tagesordnung beim Zusammentreffen mit der Delegation. Dass Architekten aus China den Baustil "ausspioniert" haben sollen, sei nie aufgefallen: "Wir haben jährlich bis zu 800.000 Tagesgäste, die alles und jeden fotografieren."

Rechtslage wird noch geprüft

"Die rechtliche Lage muss noch überprüft werden", sagte Hans-Jörg Kaiser von ICOMOS Austria, dem nationalen Rat für Denkmalpflege, einer Unterorganisation der UNESCO. Prinzipiell sei es aber legal, Gebäude zu fotografieren und dementsprechend nachzubilden: "Alles, was außen ist, ist öffentlich zugänglich. Nur für eine Vermessung braucht es das Einverständnis des Eigentümers."

(APA)