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Norbert Hofer: Das freundliche Gesicht der FPÖ

Norbert Hofer freundliche Gesicht
Hofer Strache(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Strache-Stellvertreter Norbert Hofer hat den Rauswurf von Rechtsaußen Werner Königshofer gemanagt. In der FPÖ steht er immer häufiger in der ersten Reihe – auch wenn er gar kein typischer Freiheitlicher ist.

Stellvertretende Parteichefsmüssen sich meist bescheiden im Hintergrund halten. Wer weiß schon, dass eine gewisse Andrea Kaufmann eine der Stellvertreterinnen von Michael Spindelegger ist, Werner Faymann von einer ganzen Riege von Vizes vertreten werden kann, die aber nicht einmal auf der eigenen Homepage präsent sind, oder dass Ursula Haubner und Herbert Scheibner sich die Nummer-zwei-Position hinter Josef Bucher teilen?

In der FPÖ kommt der Vize von Heinz-Christian Strache, der burgenländische Abgeordnete Norbert Hofer, immer mehr ins Blickfeld. Spätestens seit er während des Strache-Urlaubs auf Ibiza die Affäre Königshofer managte, ist er auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Er war ganz wesentlich daran beteiligt, dass FPÖ-Rechtsaußen Königshofer nach skandalösen Aussagen über die Attentate in Norwegen innerhalb weniger Tage aus der Partei ausgeschlossen wurde.

Dabei entspricht Hofer nicht unbedingt dem, was man sich unter einem typischen Freiheitlichen vorstellt. Er gehört weder dem sonnengebräunten Jörg-Haider-Anbetungsverein an, noch ist er Teil der Burschenschafterpartie, die die freiheitliche Partei seit der Abspaltung des BZÖ im Jahr 2004 dominiert. „Die Narbe im Gesicht ist von einem Fahrradunfall“, legt er seine ideologische Nichtzugehörigkeit unmissverständlich klar.


Ausländer sind nicht sein Thema. Man kann sich Hofer auch nur schwer bei einer Brandrede gegen die „Ausländergefahr“ am Wiener Viktor-Adler-Markt vorstellen. Zu bedächtig sind seine Formulierungen, zu reflektiert seine Rhetorik. Wenn er als Vorbild für Migranten von seinem Großvater erzählt, der in die USA ausgewandert ist, sich dort etwas geschaffen hat und schließlich Staatsbürger geworden ist, ist das nicht unbedingt das, was die typische Anhängerschaft hören will und zu hören gewohnt ist. Und dass ihm zu Kopftüchern als erstes die unter (in die Jahre gekommenen) Burgenländerinnen beliebte Kopfbedeckung einfällt, zeigt, dass die Reflexe nicht so funktionieren, wie bei anderen FPÖ-Politikern.

Hofer ist aber auch kein Dissident, was die Causa prima der FPÖ betrifft: Das Parteiprogramm trage er natürlich voll mit. Auch warnt er vor einer „Zuwanderung ins Sozialsystem“ und fordert eine „konsequente Linie“ gegen „Asylwerber, die mit Drogen handeln“. Nur die Tonalität ist eben eine andere. Wobei ihm das manche nicht ganz abnehmen. Der grüne Sozialsprecher Karl Öllinger nennt ihn einen „Wolf im Schafspelz“. Meist verbindlich im Ton, könne er auch „wilde Sachen herauslassen, dass man nur so staunt“.


Dem Rollstuhl entkommen. Prägendes Ereignis für Hofer war ein Sportunfall: Im Jahr 2003 stürzte er mit dem Paragleiter aus 15 Metern Höhe in die Tiefe, der Schirm hatte sich zusammengeklappt. Querschnittslähmung und ein Leben im Rollstuhl lautete damals die Diagnose. Eine sechs Monate dauernde intensive Therapie im Rehab-Zentrum Weißer Hof brachte ihn wieder auf die Beine – buchstäblich. Inzwischen kann er sogar wieder Sport betreiben und ist des Öfteren mit dem Mountainbike unterwegs.

Seit damals sieht er die Politik mit einer gewissen Gelassenheit. „Wirklich aufregen kann mich in der Politik nichts mehr.“ Und auch religiös sei er geworden – ohne aber einer Kirche anzugehören. Auch die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit sind vom Unfall des gelernten Flugtechnikers geprägt: In der FPÖ ist er für Sozial- und Behindertenthemen zuständig und dabei inhaltlich gar nicht so weit von den Bereichssprechern der anderen Parteien entfernt.

Dass etwa persönliche Assistenz und die Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens die wichtigsten Maßnahmen im Behindertenbereich sind, wird genauso auch von den Behindertensprechern der ÖVP oder der Grünen vertreten.

Der Einsatz für Väterrechtsaktivisten ist ein weiteres Thema, mit dem Hofer an die Öffentlichkeit gegangen ist. Das war aber nicht unbedingt aus eigenem Erleben gespeist: Der vierfache Vater hat zwar drei Kinder aus erster Ehe, einen großen Streit habe es bei seiner Scheidung aber nicht gegeben. Sein Engagement kommt aus der Überzeugung, dass für die Kinder der Kontakt zu beiden Eltern notwendig sei und dass das gemeinsame Sorgerecht der Normalfall sein sollte.

„Zu jung“ für einen Minister. Die FPÖ will Hofer in die Regierung bringen, das müsse das Ziel der Partei sein. Und zwar in einer Form, in der sie auch tatsächlich stark genug sei, ihre Ziele umzusetzen. Für diesen Fall wäre Hofer – angesichts des akuten Mangels an ministrablen Persönlichkeiten in der Partei – zweifellos ein ernsthafter Kandidat für ein Ministeramt, auch wenn er sagt, dass er das gar nicht will. „Dafür fühle ich mich noch zu jung“, sagt der 40-Jährige.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2011)