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Erdogan: "Israel führt sich auf wie ein verzogenes Kind"

Türkei Erdogan:
Recep Tayyip Erdogan(c) REUTERS (Mohamed Azakir)
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Im Streit um den Angriff auf die Gaza-Flotte kündigt die Türkei eine verstärkte Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer an. Ministerpräsident Erdogan will den Gazastreifen besuchen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag scharfe Kritik an Israel geübt: Israel habe sich aufgeführt wie ein "verzogenes Kind", "Staatsterror" betrieben und geglaubt, dass dies immer so weitergehen könne.

Erdogan kündigte eine Verschärfung der Protestmaßnahmen gegen den israelischen Angriff auf die Gaza-Flotte im Mai 2010 an. Nach der militärischen Kooperation sollen nun auch die Handelsbeziehungen ausgesetzt werden. Der Regierungschef kündigte außerdem eine verstärkte Militärpräsenz seines Landes im östlichen Mittelmeer an. Die türkische Marine werde sich in diesem Gebiet ab sofort "sehr häufig" zeigen. Erdogan will zudem den palästinensischen Gazastreifen besuchen.

Das Büro Erdogans relativierte nach dem Auftritt des Ministerpräsidenten allerdings dessen Ankündigungen. Erdogans Erklärungen vor Journalisten in Ankara seien "missverstanden" worden, berichtete der türkische TV-Sender NTV unter Berufung auf Mitarbeiter Erdogans. Zunächst sei nur die militärische Zusammenarbeit von den Sanktionen betroffen.

Bei der Kommandoaktion der israelischen Eliteeinheit "Shayetet 13" in internationalen Gewässern waren im Mai 2010 acht türkische Palästina-Solidaritätsaktivisten und ein türkisch-amerikanischer Doppelstaatsbürger an Bord des Schiffes "Mavi Marmara" getötet worden. Die Türkei fordert eine Entschuldigung, Israel lehnt das ab.

Touristen klagen über Schikanen

Der Streit hat mittlerweile auch Auswirkungen auf den Reiseverkehr zwischen den beiden Staaten. Touristen beider Seiten beklagen Schikanen und Demütigungen an den Flughäfen. So seien sie von Sicherheitsleuten gezielt herausgesucht und gezwungen worden, sich für Untersuchungen zu entkleiden. Ein türkischer Flughafenmanager sagte laut Medienberichten, die Vorgehensweise sei Reaktion auf eine israelische Praxis.

Die israelische Regierung sieht ungeachtet des Streits keinen Bruch. Der Beweis dafür sei, dass "unser Militärattaché in Ankara auf seinem Posten bleibt und die konsularischen Dienste weiter arbeiten", sagte der für politische und Sicherheitsfragen zuständige Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums, Amos Gilad, am Dienstag dem israelischen Rundfunk.

"Wir müssen einen Ausweg aus dieser Krise finden, indem wir den Handlungsspielraum nutzen, der bleibt", sagte Gilad. Dazu sollten insbesondere die Beziehungen der Türkei zur Nato sowie zu den USA und Europa genutzt werden. Gilad warnte zugleich die Regierung in Ankara, sie habe "viel zu verlieren bei einer extremistischen Politik".

 

(Ag.)