"Twilight": Vampire, die auf Werwölfe starren

Twilight Vampire Werwoelfe starren
Glücklich schaut anders aus: Edward und Bella(c) Dapd (Concorde Filmverleih)

Nach drei Filmen selbstauferlegter Keuschheit haben Bella und Edward in "Twilight: Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht" endlich Sex.

Sex ist gefährlich. Wer das in den drei bisher erschienenen "Twilight"-Filmen noch nicht begriffen hat, der darf den vierten Film als Nachhilfestunde in Sachen Sexualaufklärung von Mormonen auffassen, denn Autorin Stephenie Meyer gehört bekanntlich dieser Religionsgruppe an. Im vierten Film "Twilight: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" haben der Vampir Edward (Robert Pattinson) und das Mädchen Bella (Kristen Stewart) jedenfalls endlich Sex. Auch wenn das der Werwolf Jacob (Taylor Lautner), der Verlierer im Liebesdreieck, nicht so super findet.

Bevor es so weit ist, muss man natürlich heiraten, das verlangt der Romantikanspruch der prüdesten Vampir-Fantasie aller Zeiten. Ganz in Weiß, mit riesiger Torte, vielen schönen Blumen, vielen noch schöneren Gästen und einem Gastauftritt von Autorin Meyer. In dieser ersten dreiviertel Stunde ist "Twilight" dann auch richtig charmant: Die 18-Jährige Bella ist ein süßer unsicherer Teenager, der mit hängenden Schultern in den ungewohnten Stöckelschuhen herumstakst und nicht weiß, wie man mit dem besten Freund umgeht, der sich in sie verliebt hat.

Verängstigt wie ein Kind schaut sie, als ihr Vater sie zum Traualtar führt und ins Eheleben entlässt. Bei der Party wird über Edwards Haupthaar gescherzt und über die Größe der Torte, man tanzt ein bissi und wenn man dann in die Flitterwochen fährt, sagt beim Verabschieden von den Eltern auch der Kindheit Lebewohl.

Schach statt Doktorspielen

"Childhood is the kingdom where nobody dies" heißt es in dem Gedicht von Edna St. Vincent Millay, das am Anfang des Filmes zitiert wird. Das verheißt nichts Gutes und der gelernte "Twilight"-Fan weiß natürlich, was kommt. Das Mädchen wünscht, in einen Vampir verwandelt zu werden. Aber vorerst bleibt es Mensch und obwohl die Frischvermählten bei der Hochzeitsreise mehr Zeit mit Schach als mit Doktorspielen verbringt, wird Bella schwanger mit einem Vampir/Mensch-Irgendwas.

Das "Ding", wie es der Angetraute (ungewohnt unlieb!) nennt, saugt ihr das Leben von innen aus. Und weil eine Problemschwangerschaft jetzt auch nicht so den tollen Plot hergibt, wird der Film ab diesem Zeitpunkt ein bisschen fahrig. Fehlende Logik hat damit auch zu tun. So scheint zwar keiner der jahrhundertealten Blutsauger zu wissen, was passiert, wenn ein Vampir eine Frau schwängert, aber das Internet liefert dazu offenbar genug Information, damit sich Edward durch gut ein dutzend Schreckensbilder klicken kann. Die Texte liest er nicht. Überhaupt hat die Vampirfamilie Cullen gemeinsam zwar genug Uni- und Schulabschlüsse gesammelt, um eine Wand tapezieren zu können, zählt sonst offenbar aber nicht zu den Hellsten. Denn nicht die Unsterblichen, sondern Bella und Jacob kommen drauf, wie die 18-Jährige die Schwangerschaft überleben könnte.

Werwolf Jacob mit Leiberl

Ansonsten ist "Twilight", wie so Teenieromanzen eben sind. Die Musik ist schmalzig, die Blicke schmachtend und die Dialoge teils sinnentleert. "Sollte das alles - du liebst Edward und ich liebe dich - denn alles umsonst sein?" fragt Jacob an einer Stelle. Ja mei, was soll man darauf antworten? Am besten man sagt nichts und schaut ein bisserl leidend. Andere Stellen sind unfreiwillig komisch - herrlich amüsieren kann man sich bei den Bockschau-Duellen zwischen Edward und Jacob. Männer, die einander anstarren, sind immer gut für Suspense.

Dank mäßiger, aber vorhandener Spannung und schönen Landschaftsaufnahmen (die Berge im kanadischen Vancouver und dem US-Bundesstaat Washington) vergeht die Zeit doch schnell und am Schluss - ein Cliffhanger, eh klar - würde man sogar noch sitzen bleiben, um sich Film Nummer fünf anzuschauen. Die Verfilmung des zweiten Teils vom vierten Buch soll erst in einem Jahr ins Kino kommen. Man darf nur hoffen, dass Regisseur Bill Condon jenen Fehler, der ihm bei "Twilight: Breaking Dawn" unterlief, wieder gutmacht. Denn Werwolf Jacob hatte nur einen einzigen Oben-Ohne-Auftritt. Skandal!


"Twilight: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht", ab 24. November 2011. Erste Previews bereits ab 20. November