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Kim Jong-il ist tot - Sohn wird "großer Nachfolger"

Kim Jong-il (re.), Kim Jong-un (li.)
Nordkoreas Diktator Kim Jong-il ist tot(c) Reuters (Kyodo)

Nordkoreas Diktator ist an einem Herzinfarkt gestorben. Sein jüngster Sohn Kim Jong-un erbt die Macht. Das Militär soll eine Kurzstreckenrakete getestet haben.

Nordkoreas langjähriger Diktator Kim Jong-il ist tot. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag berichtete, starb der 69-Jährige am Samstag um 8.30 Uhr Ortszeit während einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt. Ein in schwarz gekleideter Ansager mit Tränen in den Augen gab im nordkoreanischen Fernsehen körperliche und geistige Überarbeitung des Staatschefs als Grund an.

Kim Jong-il hatte die Macht 1994 von seinem Vater Kim Il-sung übernommen. Als der Gründer Nordkoreas starb, wurde der Führerkult auf ihn übertragen. Über seinen Gesundheitszustand wurde zuletzt immer wieder spekuliert. 2008 hatte Kim einen Schlaganfall erlitten, sich aber davon offenbar weitgehend wieder erholt.

Sohn Kim Jong-un zum Nachfolger ernannt

Zum Nachfolger an der Staatsspitze wird Kims Sohn Kim Jong-un ernannt. Die staatliche Nachrichtenagentur titulierte ihn am Montag als "großen Nachfolger". Volk und Militär müssten "dem Genossen Kim Jong-un treu die Ehre erweisen".

Über den dritten und jüngsten Sohn des verstorbenen Machthabers ist nur wenig bekannt. Kim Jong-un soll noch keine 30 Jahre alt sein. Er wurde von seinem Vater in den letzten Jahren bereits zum Nachfolger aufgebaut. Er soll seit vergangenem Jahr die Geheimpolizei-Zentrale leiten und bereits Stellvertreter seines Vaters an der Spitze des nationalen Verteidigungsausschusses gewesen sein. Im vergangenen Jahr begleitete er seinen Vater bei dessen Reisen durch das Land.

Der Machtwechsel wurde nach Ansicht von Experten "perfekt organisiert". Drastische Kursänderungen werden von dem neuen Machthaber nicht erwartet.

Nordkorea(c) APA

Nordkorea ist unter Kim Jong-ils Führung in eine schwere Armut gerutscht. Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von Mangelernährung betroffen. International beunruhigte das Land die Weltgemeinschaft mit der Entwicklung von Atomwaffen.

Südkoreas Militär in Alarmbereitschaft

Als Reaktion auf die Meldung über den Tod des Diktators versetzte Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Japan berief seinen Sicherheitsrat ein. Die US-Regierung erklärte, sie sei weiter entschlossen, sich für die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen.

--> Weitere internationale Reaktionen

Südkoreas Geheimdienst steht in der Kritik, weil er zwei Tage lang keine Informationen über den Tod Kims hatte. Präsident Lee Myung-bak und die Armeeführung seien von der Meldung völlig überrascht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungsvertreter. Demnach erfuhren sie die Nachricht genauso wie der Rest der Welt erst aus dem nordkoreanischen Staats-TV. Ein Abgeordneter der regierenden Großen Nationalpartei sagte, es gebe trotz der strengen Geheimhaltung in Pjönjang "keine Entschuldigung" für das Versagen des Geheimdienstes.

Korea-Konflikt

Auf der koreanischen Halbinsel stehen sich am 38. Breitengrad mehrere hunderttausend verfeindete Soldaten gegenüber. Die massiv gesicherte Waffenstillstandslinie teilt dort den kommunistischen Norden vom westlich orientierten Süden. Nach dem Korea-Krieg (1950 bis 1953) hat es nie einen Friedensvertrag, sondern nur einen Waffenstillstand gegeben.

Damals wurde quer durch Korea eine rund 240 Kilometer lange und vier Kilometer breite "Entmilitarisierte Zone" geschaffen. An der Westküste beider Staaten im Gelben Meer schließt sich am 38. Breitengrad eine rund 200 Kilometer lange Seegrenze an. Ein Kommandant der UNO-Truppen legte 1953 diese "Northern Limit Line" einseitig fest. Nordkorea hat den Verlauf der Seegrenze nie anerkannt. Das UNO-Kommando (United Nations Command) überwacht seit dem Ende des Krieges den Waffenstillstand an der Demarkationslinie. Dem UNC gehören Vertreter von Australien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Neuseeland, Südkorea, der Türkei, Großbritannien und der USA an.

(c) APA

Nordkorea soll Rakete getestet haben

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Todesnachricht hat das nordkoreanische Militär angeblich eine Kurzstreckenrakete getestet. Wie der Sender YTN TV berichtete, wurde der Flugkörper von der Ostküste abgefeuert. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass der Test in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tod des Herrschers stehe und Südkorea provoziert werden sollte.

Dem Bericht zufolge hatte die Rakete eine geschätzte Reichweite von 120 Kilometern. Nordkorea wolle durch den Test die Kapazität und die Reichweite verbessern. Das südkoreanische Militär bestätigte die Meldung bisher nicht.

Beisetzung am 28. Dezember

Die Beisetzung des Diktators soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden. Die Staatsspitze ordnete eine Trauerphase bis zum 29. Dezember an. Während der Trauerzeit ist Singen und Tanzen verboten.

Das Staatsfernsehen zeigte am Montag weinende Passanten auf den Straßen der Hauptstadt Pjöngjang und Mitglieder der kommunistischen Partei, die schluchzten, schrien und auf Tische schlugen.

(Ag./Red.)