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Yuan statt Dollar: Eine Zeitenwende trotz vagem Pakt?

(c) REUTERS (PETAR KUJUNDZIC)
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China und Japan wollen künftig seltener in Dollar fakturieren. Zu der Abmachung kam es anlässlich eines Treffens zwischen Japans Ministerpräsident, Yoshihiko Noda, und dem chinesischen Premier, Wen Jiabao.

Wien. Was steckt dahinter, wenn die zweit- und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt vereinbaren, den bilateralen Handel künftig vermehrt in ihren eigenen Währungen abwickeln zu wollen? Der Dollar droht seinen Status als Weltwährung Nummer eins zu verlieren, sagen die einen. Der Pakt zwischen China und Japan ist nicht viel mehr als ein wirkungsloser Scheinangriff auf den „Greenback“, meinen die anderen.

Zu der Abmachung kam es anlässlich eines Treffens zwischen Japans Ministerpräsident, Yoshihiko Noda, und dem chinesischen Premier, Wen Jiabao. Die beiden Ländern streben künftig einen direkten Handel ihrer Währungen Yen und Renminbi untereinander an. Außerdem soll Japan gestattet werden, chinesische Staatsanleihen zu kaufen.

Strenge Kapitalkontrollen von chinesischer Seite verhindern bislang eine Abrechnung von Warenlieferungen zwischen den Großmächten in Renminbi. Kauft eine japanische Firma ein Produkt zu einem bestimmten Yuan-Betrag, wird der Preis zumeist in Dollar umgerechnet und bezahlt. Erst danach kann der chinesische Exporteur den Betrag im eigenen Land in Yuan umtauschen. Zwei Drittel des Handels zwischen Japan und China werden in Dollar abgewickelt. Noch restriktiver handhabt Peking den Verkauf eigener Staatsanleihen. Einzig in Hongkong werden ab und zu chinesische Anleihen in eigener Währung ausgegeben. Das Gesamtvolumen belief sich heuer auf 18 Mrd. Dollar – bei einer Wirtschaftsleistung von knapp sechs Billionen Dollar.

 

Widerspruch zur Währungspolitik

Die strengen Kapitalkontrollen ermöglichen es dem chinesischen Regime, den Wechselkurs zum Dollar relativ konstant zu halten. Der Renminbi ist nach manchen Schätzungen um bis zu 30 Prozent unterbewertet. Den chinesischen Exporteuren kommt das zugute. Sie können ihre Waren, vor allem in den USA, zu günstigeren Preisen anbieten. Würde China nun einen regen Handel seiner Währung zulassen, stünde dies in direktem Widerspruch zur bisherigen Währungspolitik. Peking müsste in deutlich größerem Ausmaß auf dem Währungsmarkt intervenieren, um den Renminbi unterbewertet zu belassen. Die andere Variante, eine Aufwertung, würde die Ausfuhren einbrechen lassen. China exportiert jährlich Waren um 1600 Mrd. Dollar – mehr als jedes andere Land.

Nicht zuletzt deshalb deutete selbst die chinesische Zentralbank an, dass die Vereinbarung der Politiker zunächst wohl nur wenig ändern werde: „Einen unbehinderten globalen Handel wie mit dem Dollar wird es nicht geben. Direkt in China zu investieren, wird auch künftig kaum möglich sein“.

Auch die Politik blieb in ihren Ankündigungen vage. Details darüber, in welchem Ausmaß Yen und Renminbi künftig den Dollar ersetzen sollen, blieben die Regierungsspitzen schuldig. Auch mit Thailand und Pakistan hat China bereits ähnliche Vereinbarungen getroffen. Trotzdem wird der Handel zwischen den Staaten großteils nach wie vor in Dollar abgewickelt.

Sollten dem Pakt zwischen China und Japan allerdings tatsächlich Taten folgen, könnte das die Position des Dollars nachhaltig schwächen. China ist nach den USA der zweitwichtigste Spieler im internationalen Handel, Japan nach Deutschland die Nummer vier. Waren im Wert von 570 Mrd. Dollar werden jährlich zwischen den beiden größten asiatischen Volkswirtschaften ausgetauscht. Das entspricht in etwa vier Prozent des Welthandels.

Auf einen Blick

China und Japan streben einen direkten Handel ihrer Währungen untereinander an. Außerdem soll es Japan gestattet werden, chinesische Staatsanleihen zu kaufen. Kapitalkontrollen Pekings machten dies bislang nahezu unmöglich. Noch ist unklar, ob den Worten auch Taten folgen werden. Eine offener Währungsmarkt würde es China erschweren, den Renminbi unterbewertet zu lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2011)