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Bewerten wir uns doch selbst!

Demonstrators from the left-wing Parti de Gauche political party demonstrate outside the offices of S
Proteste vor dem S&P-Büro in Frankreich(c) REUTERS (Mal Langsdon)
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Europa versucht, den Einfluss der US-Ratingagenturen zu brechen. Nur zu.

Europa hat die Nase voll. Nach der jüngsten Abstufung zahlreicher Euroländer wird eindringlicher denn je nach einer „europäischen“ Ratingagentur gerufen. Denn, so der Tenor in allen politischen Lagern: Europa könne es nicht länger hinnehmen, sich von „amerikanischen“ Ratingagenturen bestimmen zu lassen. Deshalb brauche es eben eine europäische Agentur, die von der Politik bestimmt wird.

Die Vorteile einer „europäischen“ Agentur wären auch nicht zu unterschätzen. Niemand verstünde die Probleme europäischer Wohlfahrtsstaaten besser als eine von europäischen Wohlfahrtsstaaten gelenkte Bewertungsstelle. Was wissen die Amerikaner schon davon, dass sich unsere Ausgaben einfach nicht an die Einnahmen halten wollen? Oder davon, dass viele Bürger zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr von rätselhaften Krankheiten heimgesucht werden (die nach Pensionsantritt zum Glück wieder verschwinden)?

Dass nur wir Europäer uns verstehen, zeigte sich, als Europas Notenbanken die Finanzwirtschaft auf deren Krisenresistenz testeten. Dabei ließen sie sich von Details nicht lange stressen – wie der drohenden Pleite Griechenlands, die einfach ausgeblendet wurde. Womit zahlreiche Banken als äußerst stabil eingestuft wurden, die kurz darauf vom Staat aufgefangen werden mussten. Aber das können freilich nur wir Europäer verstehen.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2012)