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Lilian Klebow: Im Dschungel von Uganda und Wien

Dschungel Uganda Wien Lilian
(c) APA/J�RGEN HAMMERSCHMID (J�RGEN HAMMERSCHMID)

Schauspielerin Lilian Klebow über afrikanische Pygmäen, ihre Liebe zu Wien, die hiesige Society und Pläne abseits der "Soko Donau". Ab April geht die Erfolgsserie in die achte Staffel.

Lilian Klebow sitzt im Café Berfin und erzählt, wie sie einem Polizisten, der sie aufgehalten hat, vor Schreck ihre Soko-Dienstmarke vor Augen gehalten hat. Beides steht ziemlich gut für sie: Mit der „Soko“ verbindet sie das Fernsehpublikum seit Jahren, seit 2005 spielt sie Revierinspektorin Penny Lanz.

Das Berfin im siebenten Bezirk zeigt die privatere Seite der deutschen Schauspielerin, die Wien seit ihrer Ausbildung als Heimat sieht: Ihr Lieblingslokal gehört einem türkischen Kurden, der eigentlich Sozialarbeiter ist und in seiner Heimat mit Kulturprojekten zur Verständigung beitragen will. Hier hat Klebow, Kiehl's-Botschafterin und gern gesehener Gast auf Societyveranstaltungen, im Vorjahr ihre Hochzeit gefeiert – barfuß tanzend in einem Humana-Kleid.

Gerade ist sie von der Berlinale zurückgekehrt, wo sie zu zwei Empfängen eingeladen war. „Von einem Dschungel in den nächsten“, scherzt sie: Davor war Klebow in Uganda. Seit 2011 ist die 32-Jährige Botschafterin des „Jane Goodall Institut-Austria“ und Patin der Batwa Pygmäen, eines Naturvolks, das bei der Gründung des Bwindi-Nationalparks von der ugandischen Armee gewaltsam aus seinem Lebensraum vertrieben wurde. Das Jane Goodall Institut finanziert Kleidung, Lebensmittel und Lehrer, um den Menschen den Weg in eine selbstständige Zukunft zu ermöglichen. „Es war“, sagt Klebow, „ganz anders, als ich es mir aus den Pressemappen vorgestellt habe. Und ich habe erst vor Ort verstanden, was Entwicklungshilfe wirklich heißt.“

Etwas so Einfaches wie eine Verteilung von (im Land gekauften) Decken an die Menschen, die auf 2200 Meter Höhe kalten Nächten ausgesetzt sind, habe sie dabei nachhaltig berührt. „Ich hatte mir das naiv vorgestellt, aber die Leute wurden einzeln in die Kirche gerufen, sonst hätte es eine Massenhysterie gegeben. Das hat mich emotional hergebeutelt.“


Weniger Probleme hatte sie mit der Umstellung auf die afrikanische Langsamkeit. Es war ihr erster Besuch auf dem Kontinent, „als Tourist hinzufahren wäre mir komisch vorgekommen. Ich bin generell kein Mensch, der ein Land über eine Hotelkette kennenlernen will.“ In Uganda, sagt Klebow, „hat sich mein Herzschlag verlangsamt, ich war ganz relaxt. Ich hatte eher ein Problem, wieder in unserem Zeitsteckkartensystem zu funktionieren. In unserer Gesellschaft, die durchs Leben hetzt und nichts hinterfragt.“

Sie selbst hat zuletzt ihre Teilnahmen im Wiener Societyleben ein wenig zurückgeschraubt. „Ich habe das lange Zeit als ein Spiel betrachtet: Mal schauen, was passiert, wenn ich dort hingehe.“ Mittlerweile überlege sie genauer. „Es ist ein Dschungel, ein Zirkus, aber es haben sich auch immer gute Kontakte ergeben, man kann immer wieder neue Verbindungen ziehen – auch für das Jane Goodall Institut. Und ich finde es interessant, sich an Menschen, mit denen man nicht einer Meinung ist, zu reiben.“

Das ist auch einer der Gründe, warum Klebow Wien so mag. „Es ist ein Schmelztiegel, es gibt viel Kultur und viele Strömungen, viel Reibungsfläche. Anders als in Berlin, wo alle in dieselbe Richtung wollen.“ Hauptgrund seien aber, „so komisch es klingt, die Menschen und ihr Humor“. Immer wieder versuche sie, Deutschen den Wiener Schmäh zu erklären. „Es ist wie eine Spieleröffnung: Du schießt etwas in den Raum und schaust, was passiert.“

Was passiert bei ihr als Nächstes? Erst will Klebow nach Amerika, um ihr Englisch auszubauen. „Weil immer mehr international produziert wird, das muss man können.“ Ein Theaterprojekt werde „eifrig verschoben“, dafür hat sie eine neue Band. Und will sich trauen, ein Stück zu schreiben, lange „ein großer Wunsch“. Ab April geht die „Soko“ in die achte Staffel. „Ich bin selber überrascht. Aber der Einstieg war so schlecht, dass die Entwicklung spannend war. Heute ist die Serie sehr gut – und wir brennen auch nach acht Jahren noch dafür!“

Zur Person

Lilian Klebow wurde 1979 in München geboren und studierte in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst und am Performing Center Austria Schauspiel, Tanz und Gesang. Seit 2005 spielt sie in der Krimiserie „Soko Donau“. Sie ist mit dem Schauspieler Erich Altenkopf verheiratet und Botschafterin des „Jane Goodall Institut-Austria“, für das sie weiter bloggen wird: www.reisen.janegoodall.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)