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Juncker: Debatte um Nachfolge des "Mister Euro"

Jean Claude Juncker
(c) AP (Geert Vanden Wijngaert)
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Das vierte Mandat des derzeitigen Eurogruppen-Chefs läuft Ende Juni ab. Die Finanzminister wollen wieder den Regierungschef eines AAA-Landes.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker könnte nach Auslaufen seiner bereits vierten Amtsperiode Ende Juni dieses Jahres sein eigener Nachfolger werden und ein fünftes Mandat annehmen, hieß es am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Die zuvor tagenden Euro-Finanzminister hatten das Thema der Juncker-Nachfolge aber nicht auf dem Programm.

Immer wieder war in den letzten Monaten die Rede davon, dass Juncker amtsmüde sei. Der seit 2005 ununterbrochen als Chef der Eurogruppe amtierende luxemburgische Regierungschef hatte auch selbst mehrmals erklärt, dass er nicht mehr kandidieren werde. Allerdings hatte er gleichzeitig durchblicken lassen, dass er doch noch einmal zweieinhalb Jahre anhängen könnte, wenn niemand anderer gefunden werde.

Das Anforderungsprofil für den Eurogruppen-Chef ist ein weites. Er soll Regierungschef sein, gleichzeitig Finanzerfahrung haben und aus einem Triple-A-Land kommen. Dafür käme neben dem 57-jährigen Juncker nur noch der 40-jährige finnische Regierungschef Jyrki Katainen in Frage. Katainen war zuvor Finanzminister und kennt die Materie zur Genüge. Aus dem Rennen dürfte damit der noch vor kurzem als Favorit gehandelte deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sein, weil dieser eben kein Regierungschef ist. So könnte Schäuble auch nicht an Euro-Gipfeln teilnehmen, wurde argumentiert.

Katainen selbst wollte beim EU-Gipfel auf APA-Anfrage aber keine Stellungnahme abgeben, dass er als Juncker-Nachfolger gehandelt werde. Er habe davon noch nichts gehört. Auf die Frage, ob er eine solche Möglichkeit bestätigen könne oder ausschließe, sagte Katainen, die Entscheidung werde bis Sommer fallen. Beim Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs wurde Herman Van Rompuy als EU-Ratspräsident bestätigt und gleichzeitig als erster Euro-Gipfel-Präsident gewählt.

Sollte Katainen neuer Eurogruppen-Chef werden, wäre dies nicht nur ein Generationenwechsel, sondern könnte in einigen Bereichen auch zu einer neuen Linie führen. Der "Berufs-Europäer" Juncker beispielsweise trat als Befürworter der Einführung von Euro-Bonds auf, der Finne ist dagegen.

Juncker leitet seit 2005 - gewählt wurde er erstmals konkret am 10. September 2004 - als "Mister Euro" die Finanzminister der Währungsunion, die sich vor jedem EU-Treffen aller 27 Ressortchefs versammeln. Der 1998 gegründeten Eurogruppe gehören mit Ausnahme Großbritanniens die größten europäischen Volkswirtschaften von Deutschland über Frankreich, Italien und Spanien an. Juncker hatte entscheidend am Integrationsprozess mitgewirkt.

(APA)