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Frauen an Med-Uni im Vorteil: Rechtliche Schritte?

Frauen MedUni Vorteil Kritik
(c) Antonia Schneider
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Die Hochschülerschaft kritisiert die genderspezifische Auswertung des EMS-Tests. Die Studenten würden auch etwaige Klagen unterstützen.

Die Hochschülerschaft der Med-Uni Wien ist empört über den neuen Bewertungsschlüssel, der beim diesjährigen EMS-Test für das Medizinstudium erstmals angewandt werden soll - und der es den bisher benachteiligten Bewerberinnen leichter machen soll. Gleiche Leistung werde dann nicht mehr gleich beurteilt, kritisiert Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Wien. "Das führt bei der Berechnung des entscheidenden Testwerts bei gleicher Leistung im Test zu einem höheren Wert für Studienwerberinnen als für Studienwerber", so Orasche.

Stein des Anstoßes: Wie DiePresse.com berichtete, wird bei der Berechnung des Testergebnisses, anhand dessen die verfügbaren Studienplätze vergeben werden, künftig differenziert: Aus den beim Test erzielten Punkten wird jeweils ein Mittelwert für Frauen und für Männer errechnet. Anhand dessen werden die Ergebnisse angepasst. Vereinfacht gesagt: Jene Gruppe, die im Schnitt schlechter ist, wird besser beurteilt. De facto werden das die Frauen sein, die in den vergangenen Jahren immer signifikant schlechter abschnitten, als die Männer.

Die Hochschülerschaft hat eine Proberechnung erstellt (die allerdings von fiktiven Zahlen ausgeht): "Erreicht ein männlicher Teilnehmer 130 Punkte beim EMS, und beträgt der Mittelwert der Männer 102,5 so ergibt sich ein Testwert von 114,8. Nun erzielt eine Teilnehmerin ebenfalls 130 Punkte, beträgt der Mittelwert der Frauen 97, erhält sie einen Testwert von 117,7 und liegt somit, bei gleicher Standardabweichung (18,6), in der Rangliste deutlich - in etwa 50 bis 100 Plätze - vor ihrem männlichen Mitstreiter."

ÖH prüft Rechtskonformität

"Das ist eine deutliche Diskriminierung beider Geschlechter", kritisiert Orasche. Seine Befürchtung außerdem: Medizinstudentinnen könnten künftig als "Quotenfrauen" abgestempelt werden - auch, wenn sie von der geschlechtsspezifischen Auswertung vielleicht gar nicht profitiert haben. Die ÖH prüft nun, ob die neue Form der Auswertung rechtskonform ist. Sollte das nicht der Fall sein, hoffen sie auf ein Einlenken der Med-Uni. Als ultima ratio sei allerdings auch vorstellbar, betroffene Testteilnehmer bei etwaigen Klagen zu unterstützen, so Orasche zu DiePresse.com.

(beba)