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Libyens Ex-Premier tot in Neuer Donau gefunden

Rätsel gibt es um den Tod des libyschen Expremier Ghanem
(c) EPA (Massimo Percossi)
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Ex-Ölminister Shukri Ghanem gehörte jahrelang zur engsten Entourage Gaddafis, ehe er dem Regime vor einem Jahr den Rücken kehrte. Eine Obduktion soll Aufschlüsse über die Todesursache bringen.

Der ehemalige libysche Ministerpräsident und Ölminister Shukri Ghanem ist am Wochenende in Wien gestorben. Der Tod des langjährigen Gefolgsmanns des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi gibt Rätsel auf. Hatte die Familie ursprünglich gegenüber Journalisten erklärt, der 69-jährige sei Sonntag früh leblos in seiner Wohnung entdeckt worden, berichtete die Polizei am Sonntagabend, dass die Leiche Ghanems in der Neuen Donau gefunden wurde.

Ein Passant hatte gegen 8.40 Uhr die Polizei informiert, dass nahe der Copa Cagrana ein lebloser Körper in der Neuen Donau treibe. In weiterer Folge sei der Tote zweifelsfrei als Shukri Ghanem identifiziert worden.

Wie Polizeisprecher Roman Hahslinger erklärte, seien bei dem Toten keine Spuren von Gewalt festgestellt worden. "Aber wenn ihn jemand hineingestoßen hat, gibt es auch keine Gewaltspuren", meinte der Beamte. "Möglicherweise ist ihm aber auch schlecht geworden, und er ist ins Wasser gefallen". Die Familie hatte als wahrscheinliche Todesursache einen Herzinfarkt genannt.

Aufschlüsse über die Todesursache soll eine Obduktion bringen. Diese könnte bereits Montagmittag abgeschlossen sein.

Ermittlungen im Umfeld des Toten laufen

Sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld des Verstorbenen würden derzeit Ermittlungen durchgeführt, sagte Hahslinger am Montag. So soll herausgefunden werden, ob an einer natürlichen Todesursache gezweifelt werden muss. In eine konkrete Richtung werde aber nicht ermittelt, da es im Moment noch keinen Verdacht auf Fremdverschulden gebe erklärte der Polizeisprecher.

Laut Ermittlungen hatte Ghanem Sonntag früh seine Wohnung verlassen. Der leblose Körper sei noch nicht lange im Wasser gelegen, als er entdeckt wurde.

Der 69-Jährige Ghanem  arbeitete der Polizei zufolge in den vergangenen Monaten in einem Büro in der Wiener Innenstadt und lebte in Wien. Vor seiner Abkehr vom Gaddafi-Regime war er im März des Vorjahres auch verdächtigt worden, in Österreich Milliarden-Summen für den damaligen Machthaber in Wien geparkt zu haben. Sogar die Sperrung seiner Konten in Wien stand im Raum. Auch in der Schweiz soll Ghanem über beträchtliches Vermögen verfügt haben.

Fünf Jahre als Ölminister

Ghanem war jahrelang ein Gefolgsmann des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gewesen, ehe er dem Regime Mitte Mai des vergangenen Jahres den Rücken gekehrt hatte. Er war von März 2003 bis Mai 2006 unter Gaddafi Ministerpräsident und von März 2006 bis Mitte Mai 2011 Chef der staatlichen libyschen Öl-Gesellschaft, also Ölminister, gewesen. Im Mai 2011 wandte sich Ghanem aber vom später getöteten Gaddafi ab und ging nach Italien. Bei einer Pressekonferenz in Rom klagte er am 1. Juni des Vorjahres über die "unerträgliche Gewalt" des damaligen Regimes in Tripolis und über den Bürgerkrieg in seinem Land.

"Ich habe jahrelang in Libyen gearbeitet und gedacht, dass man intern Reformen durchsetzen konnte. Das war jedoch nicht möglich, vor allem jetzt, wo die Gewalt unerträglich geworden ist", so Ghanem damals in seinem Presse-Statement.

Zuletzt sei Ghanem sehr besorgt über die Entwicklungen in seiner Heimat gewesen, berichtete Al-Bayati. Zudem habe er sich auch stark unter Druck gesetzt gefühlt, weil im Internet Anschuldigungen wegen mutmaßlicher Korruptionsfälle verbreitet worden seien. Seitens der Familie hieß es, dass der Leichnam Ghanems möglicherweise nach Libyen überstellt werde.

(APA)