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Fatwa: Mit dem Tod bedrohter Rapper taucht unter

Fatwa bedrohter Rapper taucht
(c) Sharrmusic

Shahin Najafi steht unter "eingeschränktem Schutz von der Polizei", sagt sein Manager. Ein iranischer Großayatollah hat ein Todesdekret gegen den Musiker erlassen.

Shahin Najafi, ein in Deutschland lebender iranischstämmige Rapper, zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück, nachdem Anfang der Woche bekannt wurde, dass über ihn ein Todesdekret (Fatwa) aus dem Iran verhängt wurde. Ein Großallatoyah hatte alle Menschen islamischen Glaubens dazu aufgefordert, Najafi zu ermorden und "für immer in die Hölle zu schicken". Am Freitag meldete sich der Musiker selbst zu Wort: "Bisher musste ich ein paar Konzerte in Europa absagen", sagte Najafi im Deutschlandfunk. Sein Manager Schahryar Ahadi sagte dem Sender: "Er kann jetzt nicht arbeiten, er muss jetzt untertauchen." Die Situation müsse jetzt geklärt werden.

Najafi bekommt derzeit nach den Worten seines Managers auch "eingeschränkten Schutz von der Polizei". Auch der Wohnort werde so weit wie möglich geheim gehalten, sagte Ahadi. Die Drohungen seien bei der Polizei ernst genommen worden. Najafi sagte, er habe natürlich Angst. Aber als Künstler und politischer Aktivist dürfe er keine Angst haben. 

Will nicht längerfristig untertauchen

Der Musiker machte zugleich deutlich, dass er nicht wie der Schriftsteller Salman Rushdie über einen längeren Zeitraum untertauchen wolle. "Ich bin jung, und ich bin ein Künstler, und ich muss auftreten", so der 31-Jährige. "Ich muss weitermachen", schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Rushdie hatte jahrelang im Verborgenen leben müssen, nachdem das geistliche und politische Oberhaupt des Irans, Ayatollah Khomeini, im Jahr 1989 in einer Fatwa zur Tötung des Schriftstellers aufgerufen hatte. Erst 2001 erklärte der damalige Präsident Mohammad Khatami, dass der Iran dieses Dekret nicht ausführen werde.

Umstrittener Song

Najafi war im Iran ein Untergrundmusiker und politischer Aktivist, bevor er im Jahre 2005 nach Deutschland auswanderte. Im Iran werden seine Songs und Alben entweder auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen. Vielen gilt er als der "iranische Eminem". Besonders wegen seiner islamkritischen Texte steht Najafi schon seit längerem im Iran auf der schwarzen Liste der Dissidenten ganz oben.

Das Lied, das nun vom Großayatollah inkriminiert wurde, heißt "Imam Naghi", es richtet sich an den zehnten Imam Ali al-Hadi. Es heißt, darin werde Ali al-Hadi angefleht, er möge "zurückkehren" - und mit diversen Missständen und der Korruption im Iran aufräumen. Auf der Homepage des Sängers wird auf eine Seite mit einer Karikatur verlinkt: Sie zeigt eine weibliche Brust, die an eine Kuppel erinnert - mit der Regenbogenfahne der Lesben- und Schwulenbewegung an der Spitze.

Song "natürlich ironisch"

Über den umstrittenen Song sagte Najafis Manager, der Text sei ein Dialog zwischen einem Menschen und einem Imam. Es gehe um die aktuelle Situation im Iran. In dem Lied sei "natürlich alles ironisch".

Islamisches Recht

Ein Großayatollah ist im schiitischen Islam eine hohe geistliche Autorität, weltweit gibt es nur 20 solche Herren, davon 14 im Iran.

Eine Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten – wie ernst es genommen wird, hängt von der persönlichen Autorität des Verfassers ab. Im sunnitischen Islam, in dem es keinen Klerus gibt, ist stets umstritten, wer eine Fatwa ausstellen darf. Aber auch Schiiten müssen sich in Ländern ohne islamisches Recht (Scharia) bisweilen zwischen widersprüchlichen Fatwas entscheiden. Im Iran – wo die Scharia herrscht – beschließen die Religionsführer die Fatwas.

(Ag.)