Ein Venezolaner begeistert die Formel1

Venezolaner begeistert Formel1
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ XPB Images)

Pastor Maldonado sorgte mit dem Sieg in Barcelona für die Sensation: Der 27-jährige Venezolaner sicherte dem Williams-Team den ersten Sieg seit 2004. In der Fahrer-WM zog Alonso mit Titelverteidiger Vettel gleich.

Barcelona/Finne. Auf diesen Saisonverlauf haben Formel-1-Fans jahrzehntelang gewartet. Fünf Rennen brachten fünf verschiedene Sieger, es wird munter überholt, Reifen gewechselt, und von Monotonie ist keine Spur. Das i-Tüpfelchen des knapp vor dem Börsegang wie verwandelt auftretenden PS-Zirkus setzte am Sonntag der sich bislang im Fahrerfeld vollkommen unauffällig verhaltende Pastor Maldonado.

Der 27-jährige Venezolaner gewann überraschend den GP von Barcelona. Der Williams-Pilot verwies dabei die Weltmeister Fernando Alonso (Ferrari) und Kimi Räikkönen (Lotus) auf die Plätze. Für Maldonado ist es der erste Sieg in seinem 24. Grand Prix, für sein Team hat die Rückkehr auf die Siegerstraße weitaus größere Bedeutung. Erstmals seit dem GP 2004 von São Paolo, damals gewann der Kolumbianer Juan Pablo Montoya, steht das Privatteam wieder ganz oben auf dem Podest.

„Das ist für mich unfassbar“, stotterte Maldonado, dem als GP2-Champion von 2010 im Vorjahr der Einstieg in die Formel1 von Venezuelas Präsident Hugo Chávez ermöglicht wurde. Denn die 35Millionen Euro, die „PDVSA“, Südamerikas größter Erdölproduzent, pro Jahr als Mitgift beisteuert, öffnete dem Rennfahrer die Türen in der Formel1. Nun hat sich das Investment für alle Seiten gelohnt. Der Marktwert des Fahrers ist gestiegen, Williams verbucht einen Aufwärtstrend in der Formel1 und an der Börse. Und Venezuela hat nach Motorrad-Champion Johnny Cecotto wieder eine Galionsfigur im Motorsport. Maldonado strahlte. „Es ist ein wunderbarer Tag. Alles hat gepasst. Danke.“

 

Mehr als nur ein „Paydriver“

Den Begriff des simplen „Paydrivers“, also eines Piloten, der seinen Arbeitsplatz bezahlen muss, ist der Venezolaner vorerst los. Wirklich gestört hatte ihn diese Bezeichnung ohnehin nie, er stammt aus der Millionenstadt Maracay, die nahe der karibischen Küste Venezuelas zu finden ist. Dort, sagt Maldonado, nehme man alles etwas leichter im Leben, und als Absolvent der Militärschule habe er ohnehin nie den Glauben an seinen „Gasfuß“ verloren.

Pastor Maldonado ist das Paradebeispiel dafür, wie sich Fahrer im Motorsport beweisen und hocharbeiten müssen. Er verdiente sich erste Sporen im Kartsport, dann in der Formel Renault und anschließend in der World Series. 2004 durfte er als „Talent“ für sehr viel Geld einen Minardi testen und landete erst 2007 in der GP2, einer Rennserie, die das Vorprogramm an Formel-1-Wochenenden bestreitet. 2010 wurde er Meister und übersiedelte ein paar Boxen weiter zu Williams. Er fuhr Veteran Rubens Barrichello den Rang ab, und im Vergleich mit dem Deutschen Nico Hülkenberg gab schließlich Venezuelas Mitgift den Ausschlag.

„Er ist ein echter Gentleman, so ruhig, so sanft“, beschreibt ihn Claire Williams, die Tochter von Teamgründer Frank Williams und Marketingchefin. „Als er über die Ziellinie gefahren ist und gewonnen hat, habe ich darum gebeten, dass man mich zwickt, weil ich es nicht glauben konnte. Für uns alle ist das wie in einem Traum.“

Maldonados Sieg sei auch das schönste Geschenk, dass er ihrem Vater hätte machen können. Der „Ritter im Rollstuhl“ wurde unlängst 70 Jahre alt und hatte unerbittlich für den Fortbestand seines Lebenswerkes gekämpft. Nach siebeneinhalb sieglosen Jahren hat Williams zumindest den Anschluss an die Weltspitze wieder geschafft. „Wir werden daran arbeiten, diesen Trend fortzusetzen“, sagt Miteigentümer Christian „Toto“ Wolff. Ob schon beim nächsten Rennen, in zwei Wochen in Monte Carlo, der nächste Sieg folgen wird, wollte er nicht beantworten. Aber in einer derart verrückten, abwechslungsreichen Saison sei fast gar nichts mehr auszuschließen.

 

Schumacher fällt aus und zurück

Eine Serie hingegen hält unentwegt an. Michael Schumacher fährt weiterhin dem ersten Erfolg hinterher. Der siebenmalige Rekordchampion schied in Runde13 nach einem Auffahrunfall mit Williams-Piloten Bruno Senna aus. Teile flogen umher, Schumachers Dienstwagen verlor seine „Nase“ und landete im Kiesbett. Schumacher, der im Vergleich mit Teamkollegen Nico Rosberg immer weiter ins Hintertreffen gelangt, warf vollkommen erbost sein Lenkrad weg. „Er zieht mir vor das Auto, und ich knalle ihm hinten voll ins Heck hinein“, klagte der Deutsche sein Leid. Das passierte just auf einer Strecke, auf der er bereits sechs Mal gewinnen konnte. Damit hält er nach fünf Rennen weiterhin bei nur zwei WM-Punkten.

Grand Prix von Barcelona

1. Pastor Maldonado (VEN) Williams 01:39:09,145

2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 3,195

3. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 3,884

4. Grosjean (FRA) Lotus 14,799 5. Kobayashi (JPN) Sauber 1:04,641 6. Vettel (GER) Red Bull 1:07,576 7. Rosberg (GER) Mercedes 1:17,919 8. Hamilton (GBR) McLaren 1:18,140 9. Button (GBR) McLaren 1:25,246 10. Hülkenberg (GER) Force India 1 Runde.

Fahrer-WM: 1. Vettel 61 2. Alonso 61 3. Hamilton 53 4. Räikkönen 49 5. Webber 48 6. Button 45 9. Maldonado 29.

Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 109 2. McLaren 98 3. Lotus 84 4. Ferrari 63 5. Mercedes 43.

Auf einen Blick

Pastor Maldonado gewann den Formel-1-GP von Barcelona. Es ist der erste Sieg des 27-jährigen Venezolaners, der für das Williams-Team fährt. Zweiter wurde Fernando Alonso (Ferrari) vor Kimi Räikkönen (Lotus).
Maldonado
ist der fünfte Sieger im fünften Rennen der Saison. In der Fahrer-WM liegen Alonso und Vettel mit je 61 Punkten in Führung.