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Nach Stopp in Tschechien: Druck auf ELGA

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Ärztechef Dorner fordert Minister Stöger auf, die Gesundheitsakte notfalls sogar einzustellen. Im Ministerium gibt man sich gelassen: Der Projektstopp in Tschechien habe „auf Österreich keinen Einfluss“.

Wien. Die tschechische Allgemeine Krankenversicherung VZP hat die elektronische Patientenakte IZIP gestoppt. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das als Vorbild für die Elektronische Gesundheitsakte ELGA in Österreich gilt. Die VZP setzt den Internetzugang zu den Informationen über Patienten aus, weil das tschechische Gesundheitsministerium die Weiterentwicklung des Projekts nach 80 Mio. Euro seit 2003 nicht mehr kofinanzieren will, wie mehrere Medien berichteten. Laut „heise online“ haben sich bisher auch erst 2,5 der zehn Millionen Tschechen zur – freiwilligen – Teilnahme an IZIP entschieden. Viele Patienten, aber auch Ärzte zweifeln unter anderem am Datenschutz.

Für den scheidenden Chef der Bundesärztekammer, Walter Dorner, sind die Entwicklungen in Tschechien eine „Warnung“ für Österreich, wie er auf Anfrage der „Presse“ sagt: „Tschechien ist offenbar klüger geworden. Auch Österreich wäre gut beraten, das bei Weitem überdimensionierte, in vielem unklare und mangelhafte, an die Grundrechte der Menschen gehende Projekt zu überdenken“, so Dorner über ELGA. Sein Wunsch an Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ): Er solle die Gesundheitsakte, mit der Befunde und andere Dokumente von Patienten gespeichert und abrufbar werden, „grundsätzlich überdenken“. Die Akte, an der das Ministerium nun schon seit Jahren arbeitet, komplett einzustellen, sollte „auch nicht ausgeschlossen sein“.

 

Ministerium: „Wichtiges Projekt“

Im Ministerium gibt man sich gelassen: Der Projektstopp in Tschechien habe „auf Österreich keinen Einfluss“. Vielmehr sei ELGA weiter „ein für uns sehr wichtiges Projekt“, wie es im Ressort heißt. Als ein zentraler Baustein von ELGA soll am 1. Juli 2013 die „E-Medikation“ starten. Dabei werden unter anderem verschriebene Arzneien gespeichert. Das Ministerium will an seinem Zeitplan festhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)