Spaniens Banken brauchen bis zu 62 Milliarden Euro

Spaniens Banken brauchen Milliarden
(c) REUTERS (SERGIO PEREZ)

Eurogruppen-Chef Juncker bestätigt den von zwei Gutachten ermittelten Finanzbedarf für die Sanierung. Spanien will den Antrag "umgehend" stellen.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat nach der Sitzung der Finanzminister der Währungsunion Donnerstag am späten Abend in Luxemburg betont, dass der Bankenbedarf für Spanien "zwischen 51 und 62 Milliarden Euro" betrage. Spanien will am Montag den Antrag für die Hilfe stellen.

Der genaue Finanzierungsbedarf wird laut Juncker noch ermittelt. Die notwendigen Finanzmittel dafür würden zunächst vom bestehenden Rettungsschirm EFSF kommen, bis der ESM in Kraft trete.

Die Euro-Finanzminister signalisierten laut Diplomaten am Donnerstag bei ihrem Treffen in Luxemburg, mit Notkrediten helfen zu wollen. Die Eurogruppe hatte bereits vor knapp zwei Wochen den spanischen Banken Unterstützung im Umfang von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zuvor war aus zwei Gutachten der Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger hervorgegangen, dass die angeschlagenen spanischen Banken für ihre Rettung bis zu 62 Milliarden Euro brauchen

Der offizielle Antrag für die Notkredite steht aber noch aus. Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte am Rande der Beratungen mit seinen Amtskollegen, das offizielle Gesuch werde erst in den nächsten Tagen gestellt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte den Finanzbedarf der spanischen Banken auf mindestens 40 Milliarden Euro geschätzt. Ökonomen sprachen von 60 bis 80 Milliarden Euro.

Hohe Zinsen für Anleihen

Das Euro-Schwergewicht Spanien steht angesichts seiner heftigen Bankenkrise unter dem Druck der Finanzmärkte und muss hohe Risikoprämien für seine langfristigen Staatsanleihen zahlen. Auch das hochverschuldete Italien ist krisengebeutelt und steht verschärft im Fokus der Märkte.

Laut Gutachten von Oliver Wyman brauchen die Geldhäuser in Spanien im schlimmsten Fall zwischen 51 und 62 Milliarden Euro. Roland Berger bezifferte den Kapitalbedarf auf höchstens 51,8 Milliarden Euro. Der Vizechef der spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, gab die Ergebnisse der Gutachten in Madrid bekannt.

Spanien wird nach den Worten von Vize-Wirtschaftsminister Fernando Jimenez Latorre nicht die gesamte Summe von bis zu 62 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsschirm benötigen, weil mehrere Geldinstitute ihren Kapitalbedarf über private Finanzquellen decken könnten. Der Löwenanteil des Fehlbetrags entfalle auf die bereits vom Staat gestützten Institute Bankia sowie die drei Geldhäuser Nova Caixa Galicia, Caixa Catalunya und die Banco de Valencia.

Bankschließung nicht ausgeschlossen

Eines dieser drei letztgenannten Institute könnte nach Ansicht von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia gar geschlossen werden. Mit dieser Äußerung hatte der spanische Sozialist vor einer Woche in seinem Heimatland Unruhe ausgelöst. Das Madrider Wirtschaftsministerium und der staatliche Bankenrettungsfonds Frob betonten postwendend, die Schließung einer Bank sei nicht vorgesehen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte vor Veröffentlichung der Gutachten in Luxemburg: "Es geht alles seinen geregelten und geordneten Gang." Es gebe zu dem vereinbarten Fahrplan keine Veränderungen.

(APA/Ag.)