Wir müssen jetzt stark sein

Eine Weichwährungspolitik für den Euro bedeutet vor allem: Wir werden beraubt.

Ideenreich sind sie allemal, die Inflationsfans. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Politiker aus dem Dreieck Madrid-Paris-Rom eine Banklizenz für den ESM oder ähnlichen Unsinn fordert. Oder suchen Sie eine Reihe „renommierter“ Ökonomen, die Ihnen die Vorteile eines schwachen Euro erklären? Kein Problem, die werden im Dutzend geliefert.

Die breite Begeisterung für das Aufgeben aller Hartwährungsambitionen hat freilich Gründe: Die Exportwirtschaft freut sich, Griechenland soll wieder wettbewerbsfähig werden und die Staaten können klammheimlich ihre Schulden weginflationieren. Wie kann man da dagegen sein?

Nun, liebe Inflationsfans, ihr vergesst leider das Wichtigste: Ihr beraubt die Menschen! Die Inflationssteuer ist eine der hässlichsten überhaupt, weil sie unsichtbar bleibt. Deswegen gibt es ein EZB-Mandat, das die Preisstabilität (und nur die Preisstabilität) zur Notenbankaufgabe macht. Und an der EZB werdet ihr euch (hoffentlich) die Inflationszähne ausbeißen.

Die deutsche Exportwirtschaft ist auch mit der starken D-Mark gut gefahren, Griechenland handelt vor allem innerhalb der EU und die Staatsschulden wachsen schneller, als ihr sie je weginflationieren könnt. Außerdem wird Ben „Weimar“ Bernanke jeden Abwertungsversuch der Europäer durch geschickten Einsatz seiner eigenen Notenpresse abzuwehren wissen.

 

nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)