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Beirut: Polizei-Geheimdienstchef getötet

Libanon Explosion erschuettert Zentrum
Anschlag in Beirut(c) REUTERS (STRINGER)
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Wissam al-Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs, der der syrischen Führung von Präsident Assad feindlich gegenübersteht.

Bei einem Bombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist am Freitag nach Angaben aus Regierungskreisen auch der Chef des Polizei-Geheimdienstes getötet worden. Wissam al-Hassan sei unter den Todesopfern. Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs Saad al-Hariri, der der syrischen Führung von Präsident Bashar al-Assad feindlich gegenübersteht. Ende des Jahres sollte Hassan Chef der Polizei werden. Bei dem Anschlag wurden mindestens drei Menschen getötet. Es gibt 96 Verletzte. Zunächst war von acht Todesopfern die Rede gewesen.

Hassan hatte auch die Untersuchungen des Bombenanschlags geleitet, bei dem 2005 der libanesische Ex-Premier Rafik al-Hariri getötet worden war. Hinter dem Attentat werden das Regime in Syrien und die mit ihm verbündete radikale libanesische Schiitenorganisation Hisbollah vermutet.

Explosion zur Hauptverkehrszeit

Die Bombe ging am Freitag um 14 Uhr zur Hauptverkehrszeit in einem christlichen Viertel im Osten der Stadt hoch. Nach Angaben des Generalstaatsanwaltes Hatem Madi wurde das mit Sprengstoff beladene Auto "dutzende Meter weit" geschleudert. Ermittler sagten, die Sprengladung sei 30 Kilogramm schwer gewesen. "Wir haben eine riesige Explosion gehört. Der Boden zitterte unter unseren Füßen", sagte ein 19-jähriger Passant. Eine 25-Jährige suchte in den Trümmern nach ihrer Mutter.

Nur etwa 200 Meter vom Anschlagsort entfernt befindet sich die Zentrale der christlichen Partei Kataeb, auch Phalange genannt, die Syriens Machthaber Bashar al-Assad feindlich gegenüber steht. In Libanons Nachbarland Syrien wütet derzeit ein blutiger Konflikt zwischen Assads Armee und den Truppen der Aufständischen. Syrien hatte sich jahrzehntelang als Schutzmacht des Libanon verstanden und dort Truppen stationiert.

Syrien beschuldigt

Der zur oppositionellen Zukunftsbewegung gehörende Abgeordnete Nihad al-Mashnuk sagte: "Die Explosion von Ashrafiyeh ist eine Botschaft des syrischen Regimes, das dabei ist, sich aufzulösen. Es ist eine Botschaft, mit dem Ziel, die Libanesen in Angst und Schrecken zu versetzen." Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Omran al-Zoubi. Dieser verurteilte den Anschlag als "feigen Akt des Terrorismus".

Der Libanon war zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Assad könnte an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen sein. Als Folge des Bombenattentates auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik al-Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen.

Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor einem "Flächenbrand", der bald die ganze Region erfassen werde.

(Red./APA)