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Darabos: „Ich bin der Chef, das war die Bedingung“

Darabos Chef Bedingung
Norbert Darabos(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Es gebe genug Arbeit für Laura Rudas und ihn, sagt der neue SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos im Interview. Im Nationalrat soll die Partei jünger werden.

Die Presse: Sind Sie erleichtert, dass Sie nicht mehr Verteidigungsminister sein müssen?

Norbert Darabos: Entgegen der weit verbreiteten Meinung habe ich das gerne gemacht. Nicht alles ist gelungen, es gibt in diesem Ressort bis heute großen Widerstand gegen Reformen. Aber erleichtert bin ich nicht.

Seit bekannt ist, dass Sie am Montag in die SPÖ-Zentrale wechseln werden, wirken Sie allerdings ziemlich befreit. Als wäre Ihnen nicht nur ein Stein, sondern ein Felsbrocken vom Herzen gefallen.

Ich empfinde das nicht so, weil der neue Job mindestens genauso hart ist wie der alte. Dass mir alle in der Partei - von der Basis bis zu den wichtigen Playern, also den Landesparteichefs - das Vertrauen ausgesprochen haben, hat mir die Entscheidung sicher erleichtert. Selten gab es in der SPÖ eine so einhellige Meinung. Das hat mich gefreut. Möglicherweise wirke ich deshalb befreit.

Das spricht für Sie, allerdings auch gegen Ihre Vorgänger. Haben Günther Kräuter und Laura Rudas einen schlechten Job gemacht?

Das würde ich nicht sagen. Es gab vielleicht einige Schwächen, etwa in der Berufsheer-Kampagne. Ich bin guten Mutes, dass es mir gelingen wird, dieses Manko zu beheben.

Haben Sie sich in der Berufsheer-Kampagne von der Parteizentrale im Stich gelassen gefühlt?

Nein, das nicht. Aber es war eine neue Erfahrung für mich. Ich war erstmals politisch für etwas verantwortlich, hatte aber nicht die Hoheit über die Kampagne. Und ich hätte doch einiges anders gemacht.

Nämlich was?

Wir haben uns als Partei nobel zurückgehalten. Es wurde versucht, die Kampagne mit dem Personenkomitee durchzutragen. Wahrscheinlich wären wir erfolgreicher gewesen, wenn wir die SPÖ stärker mobilisiert hätten.

Kritik an Kräuter und Rudas gab es vor allem aus aus den Landesparteien. Was war der Vorwurf?

Ich glaube, dass die Kommunikation mit den Landesparteien nicht gepasst hat. Aber ich persönlich kann weder Günther Kräuter noch Laura Rudas etwas vorwerfen. Meine Vorgänger haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten sicher eine gute Arbeit geleistet.

Aber offensichtlich traut man den beiden nicht zu, eine Wahlkampagne auf die Beine zu stellen.

Sie werden mir jetzt keine Kritik entlocken.

Was werden Sie anders machen?

Ich hatte schon das Gefühl, dass meine Vorgänger die PS, die die SPÖ an und für sich hat, bei den Kampagnen nicht auf den Boden gebracht haben. Es reicht nicht, eine Strategie zu haben. Deshalb müssen wir die interne Kommunikation verbessern und den direkten Kontakt zum Bürger suchen.

Welche Agenden bleiben eigentlich noch für Laura Rudas übrig?

Sie wird in der Kommunikation tätig sein. Es gibt genug Arbeit für zwei Bundesgeschäftsführer.

Aber Sie sind der Chef.

Ich bin der Chef. Das war für mich eine conditio sine qua non, weil im Wahlkampf einer die Letztentscheidung treffen muss. Der hält dann auch den Kopf hin, wenn etwas schief geht. Wenn man gewinnt, gibt es ja viele, die den Erfolg mit einem teilen. In der Niederlage gibt es nur einen Verantwortlichen.

Damit haben Sie mindestens genauso viel Erfahrung wie mit Wahlkämpfen. Die Kosten sind dieses Mal gesetzlich begrenzt - mit sieben Millionen Euro. Werden Sie damit auskommen?

Mit sieben Millionen Euro kann man einen guten Wahlkampf organisieren. Eine interessante Erfahrung war allerdings die Wahl in Kärnten: Noch nie ist eine Kampagne ohne Wahlplakate ausgekommen. Da war die SPÖ sehr mutig. Das Beispiel zeigt, dass es nicht auf Plakate, sondern auf Inhalte ankommt.

Werden Sie Werner Faymann nicht plakatieren?

Doch. Aber eines muss uns auch klar sein: Mit einem Herrn Stronach können wir nicht mithalten. Ich gehe davon aus, dass er sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten wird, weil ihm die Strafzölle nicht wehtun.

Wird die SPÖ auch dieses Mal wieder Wahlzuckerln verteilen? Die Abschaffung der Studiengebühren und andere Bonmots am Ende des Wahlkampfs im Jahr 2008 sind dem Steuerzahler noch heute schmerzlich in Erinnerung.

Es wird keine Wahlzuckerln geben. Aber eine klare Ansage: Wir sind die einzige Partei, die sich der sozialen Anliegen annimmt. Und wir werden in der Wahlbewegung auch klar machen, wie wir das finanzieren wollen.

Lassen Sie uns raten: Mit Vermögenssteuern.

Es geht nicht um Klassenkampf, aber wir brauchen eine Umverteilung - nämlich von oben nach unten.

Die Wahlen in Niederösterreich und Kärnten haben neuerlich gezeigt, dass Ihre Partei für Junge kaum noch attraktiv ist. Ist der SPÖ-Wähler mittel- bis langfristig eine aussterbende Spezies?

Nein. Bei der Volksbefragung - auch wenn wir sie verloren haben - hat sich gezeigt, dass wir junge Menschen ansprechen können. Aber wir müssen noch moderner werden.

Wie wird man als SPÖ moderner?

Eine Möglichkeit ist, die Social Media-Plattformen stärker zu nutzen.

Ist das alles? Der steirische Landeshauptmann Franz Voves hat vor kurzem eine Erneuerung der SPÖ „an Haupt und Gliedern" gefordert.

Wir brauchen einen besseren Mix aus Inhalten und Personen, die diese Inhalte glaubwürdig vertreten. Deshalb wäre die SPÖ gut beraten, mehr jüngere Funktionäre in den Nationalrat zu bringen. Ich habe selbst gesehen, dass man den Draht zu den jungen Leuten verliert, wenn man älter wird.

Aber die SPÖ hat ein Nachwuchsproblem.

Das stimmt nicht. Wir haben einige Talente in der Generation der 30- bis 40-Jährigen.

Wenn denn?

Katharina Kucharowits von der Jungen Generation zum Beispiel.

Warum versteckt man die Jungen dann?

Das ist sicher etwas, das wir ändern müssen. Die jungen Leute sollen das Gefühl haben, dass sie mitbestimmen können.

Soll die Große Koalition fortgesetzt werden?

Ich hätte nichts gegen eine Neuauflage von Rot-Schwarz, wenn es Sinn macht.

Was, wenn sich eine Zweierkoalition nicht mehr ausgeht: Kommt dann Rot-Schwarz-Grün?

Mir wäre eine Zweierkoaliton lieber. Mit drei Parteien ist die Zusammenarbeit schwieriger.

Wollen Sie dann wieder Minister werden?

Jetzt manage ich einmal den Wahlkampf, alles weitere wird sich zeigen. Warten wir ab.

Aber Verteidigungsminister nicht mehr, oder?

Nein.

Vielleicht folgen Sie Hans Niessl eines Tages als burgenländischer Landeshauptmann nach?

Es ehrt mich, wenn ich genannt werde. Ich bin viel im Burgenland unterwegs, oft am Stammtisch - auch wenn man mir das nicht ansieht. Aber derzeit ist das keine Option, der Landeshauptmann macht das super.

Aber ausgeschlossen ist es nicht.

Ich hab nie etwas ausgeschlossen.

Hans Niessl hat diese Woche gemeint, die Heeresreform sei bis zur Wahl nie und nimmer zu schaffen. Teilen Sie diese Meinung?

Eine Verbesserung des Status quo im Grundwehrdienst ist bis zum Herbst möglich. Aber die ganz große Reform wird das mit Sicherheit nicht. Dazu bräuchte es mehr Geld.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2013)