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Rastinger: Das Gute an „made in Thailand“

Designerin Martina Rastinger Gute
Designerin Martina Rastinger Gute(c) www.so-lch-ld.com

Die Designerin Martina Rastinger verbindet die Schnitte der 1950er-Jahre mit Stoffen aus Südostasien. Ein Besuch in ihrem Ottakringer Showroom.

Als der Musiker Hans Lang das rustikale Lied „Mariandl“ gesungen hat, im Jahr 1947 nämlich, dürfte er in erster Linie nicht an Thailand gedacht haben. Das machen jetzt andere für ihn, genauer gesagt Martina Rastinger. In der Vorschau ihrer Frühling-Sommer-Kollektion steht also geschrieben: „Ins Wachauer Landl-Landl zieht mich ein Mariandl-andl.“ Die Designerin hat, modisch gesehen, ein Faible für die 1950er-Jahre, aber auch ein Faible für Thailand. Daher trägt ihre Version der Mariandl ein, sagen wir, konservativ geschnittenes Kleid mit opulenten Stoffen aus Südostasien.

Rastinger hat ihre Kollektion folgerichtig „Mariandl in Siam“ genannt, die sie vergangene Woche vorgestellt hat. Sie verbinde in ihrer Arbeit immer zwei Elemente, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen können, erzählt sie in ihrem Atelier direkt gegenüber der Ottakringer-Brauerei. Heißt also: Leinen mit Chiffon. Oder eben Mariandl in Bangkok. Mindestens zweimal im Jahr reist Rastinger für längere Zeit nach Thailand, um Stoffe und Schneider zu suchen. Wenn auf ihren Kleidern das Label „made in Thailand“ zu sehen ist, dann dürfe man nicht an klischeeschwangere Bilder wie Massenproduktion oder Kinderarbeit denken. Vielmehr wolle sie kleine Schneidereien vor Ort unterstützen. Eine andere Schneiderin, die Rastinger während des Entstehungsprozesses ihrer Kollektionen unterstützt, wohnt in Graz. Und so lässt sich auch ihre Arbeit beschreiben: Rastinger tüftelt und die professionellen Schneider auf zwei verschiedenen Kontinenten setzen die Ideen um.

Ihr Label hat die Designerin bereits vor acht Jahren gegründet. Der Name ist durchaus (und durchaus bewusst) rätselhaft: „So Lch Ld“. Soll heißen „Soul Child“. Dass zwei Buchstaben fehlen, erfahren die Interessierten auf Nachfrage. Und zum Nachfragen müssten sie sich mit der Designerin in Verbindung setzen. Schlau also. Ansonsten ist der Labelname Programm: Sie wolle „Seelenkinder“ erreichen, also in der Seele jung gebliebene Frauen, so Rastinger. Auch wenn sie über eine treue Stammkundschaft verfügt, die Öffentlichkeit habe sie bisher kaum gesucht. Stattdessen waren die vergangenen Jahre ein „stiller, künstlerischer Prozess“ – schließlich ist sie so etwas wie eine Quereinsteigerin. Rastinger ist Kultur- und Sozialanthropologin, die zuerst gemalt hat, bevor sie Modedesignerin wurde.

Aufgefallen ist sie spätestens mit der Nominierung für den „Ringstraßen-Galerien Designer Award“ (wird am 17. April vergeben). Ihre Stücke können in Pop-up-Stores erworben werden – oder in ihrem Showroom in Wien-Ottakring. Die Preise variieren zwischen 29 und knapp 200 Euro, sie sind also nicht empfindlich teurer als konventionelle „Made in Thailand“-Stücke. Für ihre nächste Kollektion, sagt Rastinger, wolle sie sich von Japan inspirieren lassen. Und wie für die aktuelle Kollektion soll auch hier gelten: Die Kleider sollen sich anfühlen, als habe man sie schon immer besessen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2013)